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Kriminalität : Asylvergehen verfälschen die Statistik

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fast 4000 der 13.100 Straftaten waren Verstöße gegen das Asylverfahrensgesetz / Diebstähle bleiben das Hauptdelikt

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2015 | 08:15 Uhr

Neumünster | Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen um mehr als 11 Prozent auf knapp 13  100 gestiegen. Neumünster bleibt damit die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsbelastung in Schleswig-Holstein. Allerdings muss man die auf den ersten Blick erschreckenden Zahlen etwas relativieren: Die Zentrale Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber am Haart verfälscht die Kriminalstatistik, die gestern in der Polizeidirektion vorgestellt wurde.

Fast 4000 der 13 100 Fälle sind Verstöße gegen das Asylverfahrensgesetz. Wenn ein Flüchtling unerlaubt die Stadtgrenzen überschreitet und dabei erwischt wird, zählt das als Straftat und geht in die Statistik (von Neumünster) ein. Mit den steigenden Flüchtlingszahlen stieg auch die Zahl dieser Asylvergehen rapide – 2013 waren es noch 2175 derartige Delikte gewesen.

„Rechnet man diese Fälle heraus, ging die Kriminalität sogar um 4 Prozent zurück“, sagte Juliane Bohrer. Die Kriminalrätin und studierte Kriminologin leitet seit Anfang Oktober 2014 die Kriminalpolizeistelle Neumünster.

Da die Asylunterkunft am Haart in Ruthenberg liegt, erscheint dieser Stadtteil tiefrot als Kriminalitätsschwerpunkt der Stadt. Allerdings hatte die Polizei hier im gesamten Jahr 2014 ganze 24 Ladendiebstähle zu bearbeiten. „Das ist eine verschwindend geringe Zahl“, sagte Juliane Bohrer. Ein gewisser Anteil an Ladendiebstählen kann durchaus den Bewohnern der Unterkunft zugeordnet werden. Aber bei rund 7500 Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr die Unterkunft durchliefen, fallen die 57 Ladendiebstähle nicht aus dem Rahmen der allgemeinen Kriminalität heraus.

Die Innenstadt ist mit mehr als 2000 Taten ein Schwerpunkt der Kriminalität. Allerdings bestimmen auch hier „Schwarzfahrer“ (260 Fälle), 200 Fahrrad- und 170 Ladendiebstähle das Bild.

Bei den Wohnungsaufbrüchen gab es einen leichten Rückgang, den die Polizei auf eine gute Ermittlungsarbeit zurückführt. Die Zahl bleibt mit 272 aber hoch, die Aufklärungsquote mit 12 Prozent niedrig. Noch schwächer ist die Quote bei den Fahrraddiebstählen, doch auch hier gab es einen deutlichen Rückgang unter die 1000er-Marke. Schon 2013 wurde eine Tätergruppe dingfest gemacht, der man erwerbsmäßigen Diebstahl in großem Umfang vorwirft.

Bei den Sachbeschädigungen verzeichnet die Statistik einen Zuwachs um 18 Prozent auf fast 860 Taten. „Das führen wir auf eine Jugendgruppierung zurück, die uns seit August beschäftigt hat“, sagte die Kripo-Chefin. Spektakulärster Fall waren der Einbruch und Vandalismus in der Vicelinkirche (der Couirier berichtete). Seit Jahresbeginn ist aber Ruhe. „Die Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen sozialen Dienst der Stadt hat gefruchtet“, so Bohrer.

Auch eine versuchte Tötung steht in der Kriminalstatistik 2014: Innerhalb einer Gruppe heranwachsender Intensivtäter versuchte ein junger Mann, nach einem Streit seinen Kontrahenten mit dem Auto zu überfahren.

Einen Schwerpunkt setzte die Kripo bei der Rauschgiftkriminalität. Die ist ein so genanntes Kontrolldelikt: Die Fälle steigen mit der Dichte der Kontrollen. „Wir hellen das Dunkelfeld auf“, sagte Juliane Bohrer. Das will auch das Landeskriminalamt mit einer neuen Studie. 2000 Neumünsteraner wurden im März gebeten, in einem anonymisierten Fragebogen ihre Erfahrungen mit Kriminalität zu schildern.

Opfer werden auch die Ordnungshüter selbst. 2014 gab es 58 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte. Direktionschef Bernd Lohse: „Das ist wohl ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen.“ Autorität werde nicht mehr wahrgenommen und akzeptiert. Leidtragende sind nicht nur Polizisten, sondern auch Rettungskräfte wie die Feuerwehr.

STATISTIK 2014:

Die fast 13100 Straftaten gliedern sich in:

 -Einfacher Diebstahl: 1770 Fälle (13,5 Prozent Anteil).

 -Schwerer Diebstahl: 2280 (17,4 Prozent).

 -Rohheitsdelikte: 1485 (11,4 Prozent).

 -Sexualdelikte: 67 (0,5 Prozent).

 -Vermögens- und Fälschungsdelikte: 1490 (11,4 Prozent).

 -Sachbeschädigungen: 730 (5,6 Prozent).

 -Rauschgiftdelikte: 380 (2,9 Prozent).

 -Sonstige Fälle: 4850 (37,1 Prozent), davon 4000 Fälle wegen Verstoßes gegen das Asylverfahrensgesetz.

 

 

 

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