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Kriminalstatistik : Asylheim verfälscht die Statistik

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Straftaten 2013: Das Hauptdelikt ist und bleibt der Diebstahl. Nominell ist die Kriminalität auf dem Rückmarsch

von
erstellt am 05.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Die Zahl der Straftaten in Neumünster ist im vergangenen Jahr erneut um fast 500 auf 11 703 Fälle gestiegen. Neumünster bleibt damit die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsbelastung im Norden. Allerdings hat Neumünster mit der Zentralunterkunft für Asylbewerber am Haart eine Besonderheit, die das Bild verfälscht: Allein 2175 Taten in der Statistik waren Verstöße gegen das Asylverfahrensgesetz. Jeder dieser Fälle, etwa wenn ein Asylbewerber beim unerlaubten Überschreiten der Stadtgrenzen erwischt wird, zählt als Straftat und geht in die Statistik ein.

Die Zahl dieser Fälle ist 2013 noch einmal dramatisch um mehr als 100 Prozent gestiegen und macht aus Ruthenberg (völlig zu Unrecht) den „Kriminalitätsschwerpunkt“ der Stadt. Tiefrot in der Statistik ist sonst nur das unmittelbare Zentrum um den Großflecken und das Vicelinviertel. Rechnet man die Verstöße gegen Asylverfahren heraus, ist die Kriminalität schon seit 2008 deutlich auf dem Rückmarsch, sagte gestern der Leitende Polizeidirektor Bernd Lohse bei der Vorstellung der Zahlen.

Lediglich die Zahl der Sexualdelikte, Drogen- und Betrugsdelikte ist gestiegen. „Die Täter operieren hier häufig über das Internet“, sagte der stellvertretende Kripo-Leiter Ohle thor Straten. Bei den Sexualstraftaten war häufig Alkohol mit im Spiel, und es gab eine Häufung im Bereich der Disko Orange Blue an der Wrangelstraße. Die Rohheitsdelikte wie Körperverletzung oder Raub gingen ebenso zurück wie die Diebstähle. Deren Aufklärungsquote liegt bei unter einem Viertel, bei den ebenfalls rückläufigen Fahrraddiebstählen sank sie auf unter acht Prozent. „Das ist ein undankbares Geschäft und sehr schwer zu ermitteln“, sagte thor Straten.

Mit der Gesamt-Aufklärungsquote kann die Polizei aber ganz zufrieden sein: Sie liegt mit 63 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt von gut 50 Prozent. Auch hier dürften die vielen Fälle von Asylbewerbern eine Rolle spielen, denn sie sind mit der Feststellung quasi schon gelöst.

Im Bereich Drogen macht sich die neue Ermittlungsgruppe Rauschgift-Milieu bezahlt (der Courier berichtete). Die Polizei nimmt vor allem die mittlere Händlerebene ins Visier. Es handelt sich um ein sogenanntes Kontrolldelikt: „Je tiefer wir bohren, desto mehr Taten kommen zu Tage“, sagte thor Straten. Die Ermittlungsgruppe wurde auch eingerichtet, um die Verflechtungen zwischen Drogen, Rotlicht- und Rockermilieu aufzuhellen. „Es gibt hier einen repressiven Ansatz“, sagte Lohse zur „Null-Toleranz-Strategie“ des Landes in Sachen Rockerkriminalität. Erfreulich für Neumünster: Es gab 2013 kein einziges Tötungsdelikt in der Stadt.

Kriminalstatistik 2013
 Die gut 11 700  Straftaten gliedern sich in:

 Einfacher Diebstahl: 1800 Fälle (15,3 Prozent).

 Schwerer Diebstahl: 2560 (21,8 Prozent).

 Rohheitsdelikte: 1500 (12,8 Prozent).

 Sexualdelikte: 89 (0,8 Prozent)

 Vermögens- und Fälschungsdelikte: 1700 (14,5 Prozent).

 Sachbeschädigung: 730 (6,2 Prozent).

 Rauschgiftdelikte: 330 (2,8 Prozent).

 Sonstige Fälle: 3000 (25,4 Prozent).


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