zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 04:30 Uhr

Asyl bieten: „Man muss es nur machen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viola und Peter Patjens stellen ihre Einliegerwohnung Asylbewerbern zur Verfügung. Das Amt Boostedt-Rickling sucht dringend Unterkünfte.

Daldorf | Die Unterbringung von Asylbewerbern im Amt Boostedt-Rickling wird immer schwieriger. „Die gemeindlichen Möglichkeiten sind nahezu ausgeschöpft, und ein Ende der Flüchtlingsströme ist nicht abzusehen“, erklärte Fachbereichsleiter Jürgen Stick auf Anfrage. Deshalb suche das Amt private Vermieter, die Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Einer der Ersten, der diesem Appell folgte, ist der Daldorfer Peter Patjens. Er und seine Frau Viola (70) beherbergen seit einigen Wochen in ihrer Einliegerwohnung ein junges Paar aus dem Irak. Die beiden Elektroingenieure flüchteten aus der Heimat, da sie wegen ihres christlichen Glaubens dort ihres Lebens nicht mehr sicher waren.

„Die Wohnung stand leer. Wir wollten wieder vermieten, und da ich aus Erfahrung weiß, was es bedeutet, heimatlos zu sein, haben wir dem Amt angeboten, das Apartment zu mieten“, erklärte der 73-Jährige, der die bittere Flüchtlingsnot nach dem Zweiten Weltkrieg direkt miterlebte.

„Asyl bedeutet Schutz, und diesen zu gewähren sollte eigentlich für jedermann selbstverständlich sein. Es ist nicht kompliziert. Man muss es nur machen. Wenn jemand aus dem Elend kommt, muss ihm geholfen werden, wieder auf die Beine zu kommen“ sagte er überzeugt. Und auch Sprachbarrieren ließen sich mit gutem Willen immer überwinden. „Zur Not malt man eben auf, was man möchte. Die Bedürfnisse sind doch auf der ganzen Welt gleich. Ein Bett bleibt ein Bett und ein Brot ein Brot. Bei den grundlegenden Sachen kommt man, wenn man sich bemüht, immer zu einer Verständigung“, wusste Patjens aufgrund zahlreicher eigner Auslandserfahrungen.

Durchweg positiv bewertete der Vermieter die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. „Die Vorgespräche waren unkompliziert und freundlich. Den Mitarbeitern liegt wirklich daran, hier positive Mietverhältnisse aufzubauen“, berichtete er.

Gleiches bestätigt auch Jürgen Stick. „Natürlich sind wir bemüht, für beide Seiten die Situation so entspannt wie möglich zu gestalten. Deshalb stehen wir auch während des Mietverhältnisses jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung“, sagte er. Für den zukünftig steigenden Bedarf hofft Stick allerdings insbesondere auf mehr Wohnungen in den größeren Orten des Amtsbezirks. „Zusätzlicher Wohnraum, zum Beispiel in Boostedt, wäre wichtig, da hier die Infrastruktur für die Versorgung vorhanden ist. Denn nicht nur der Einkauf, auch der Besuch der Schule und der Kindertagesstätte muss ja für die Zeit des Aufenthaltes gewährleistet sein“, erklärte er.

Neben der Wohnung bieten Viola und Peter Patjens ihren beiden Schützlingen zudem Hilfe in der Alltagsbewältigung sowie auch ihre Gastfreundschaft an. „Wir haben eine Rundreise zum Bahnhof und durchs Dorf gemacht. Ich habe dafür gesorgt, dass sie ihre Führerscheine nutzen können. Und wenn im Garten mit Freunden gegrillt wird, bitten wir die beiden selbstverständlich dazu“, erzählte Peter Patjens.

Auch stehe er in regem Kontakt mit Dr. Anne Engelhard, die seit einigen Monaten einen Hilfskreis für Asylbewerber in Rickling leitet. „Wir tauschen Erfahrungen aus. Viele Asylbewerber sind ja tief traumatisiert. Darauf muss man sich einstellen. Wirkliche Hilfe zu leisten, ist ein Lernprozess für beide Seiten. Doch es lohnt sich allemal“, so sein Fazit.

„Dieses Engagement zum Austausch über deutsche Gepflogenheiten sowie die Sprachkurse sind für uns besonders wertvoll. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung“, lobte Jürgen Stick diese ehrenamtliche Initiative.

Weitere Informationen zur Vermietung für Asylbewerber erhalten Interessierte im Amt Boostedt-Rickling unter Tel. 0 43 93/99 76 30. Interessierte, die den Hilfskreis unterstützen möchten, können sich an Dr. Anne Engelhard unter Tel. 0 43 28/ 8 78 wenden.





zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen