Neumünster : Arznei-Engpässe auch im FEK

Malte Dobin, stellvertretender Leiter der Zentralapotheke im FEK, zeigt vor sich auf dem Tisch einige Beispiele von häufig genutzten Präparaten, bei denen es derzeit Engpässe gibt.
Malte Dobin, stellvertretender Leiter der Zentralapotheke im FEK, zeigt vor sich auf dem Tisch einige Beispiele von häufig genutzten Präparaten, bei denen es derzeit Engpässe gibt.

In der Zentralapotheke des Klinikums wird es zunehmend schwieriger, manche Präparate zu bekommen.

shz.de von
18. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Über 1000 Medikamente lagern in der Zentralapotheke des Friedrich-Ebert-Krankenhauses, normalerweise. Doch Malte Dobin schaut auf einen großen Zettel vor sich: „103 davon sind derzeit nicht lieferbar“, sagt der stellvertretende Leiter. Das ist für das Krankenhaus und die Patienten zwar noch kein Beinbruch, erfordert aber von den Mitarbeitern viel Organisationsvermögen und ist auch nicht ganz billig. Das Problem: „Die Tendenz geht eher zu noch mehr Lieferengpässen“, sagt Dobin.

Schuld daran sei vor allem die Globalisierung. Manche Pharma-Konzerne zentralisierten die Herstellung eines speziellen Medikaments für den weltweiten Bedarf an einem Standort, zum Beispiel in Asien oder in der Karibik. Komme dann ein Wirbelsturm oder fliege eine Fabrik wie neulich in die Luft, gebe es mit einem Zeitverzug auch Probleme in Deutschland. Da es sich für andere Unternehmen finanziell nicht lohne, Nachahmerprodukte, sogenannte Generika, herzustellen, fehle dann eine echte Alternative.

Ein weiterer Punkt sind Qualitätsprobleme. „Ein Hersteller hat vor kurzem darauf verwiesen, dass er ein Medikament deshalb nicht liefern könne“, sagt Dobin. Da es sich um ein wichtiges Arzneimittel handelt, das normalerweise jeder Patient mit akutem Herzinfarkt bekommt, musste schnell gehandelt werden. Schließlich liegt der Verbrauch bei etwa 20 Schachteln pro Monat. „Wir haben die Lagerbestände kontingentiert und angeordnet, dass der Einsatz streng kontrolliert wird“, sagt Dobin. Parallel suchten die Apotheken-Mitarbeiter in Abstimmung mit den Ärzten nach Alternativen. „Die finden wir in der Regel auch. Allerdings bekommen die Patienten dann manchmal zusätzliche Wirkstoffe, die sie eigentlich nicht brauchen“, erklärt Dobin. So zum Beispiel bei einem Antibiotikum, von dem es nun im Februar nach mehreren Monaten wieder Nachschub geben soll. Oder bei einem Präparat, dass bei Übelkeit nach einer Chemotherapie eingesetzt wird und bei dem der Verbrauch immerhin bei zehn bis 15 Schachteln am Tag liegt.

Ist ein Medikament nicht lieferbar, versuchen die Apotheken-Mitarbeiter zunächst andere Hersteller – sofern es sie gibt – zu kontaktieren. „Weil dann in der Regel alle Apotheken dorthin ausweichen, können wir aber nicht wie bei unseren Hauslieferanten günstige Preise aushandeln, sondern müssen den Listenpreis zahlen“, sagt Dobin. Ärgerlich sei das. Sorgen müssten sich die Patienten im Moment aber nicht machen: „Wir finden immer eine Lösung, die hilft, auch wenn sie nicht immer die optimalste ist“, sagt der stellvertretende Leiter.

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