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Spurensuche in Neumünster : Archäologen graben im ECE-Fundament

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor dem Baustart für Neumünsters Holstengalerie untersuchen Experten den Baugrund zwischen Teich und Fabrikstraße auf frühgeschichtliche Schätze.

von
erstellt am 09.Jan.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster | Der erste Spatenstich zum Bau der neuen Holstengalerie ist gesetzt – nicht von Betonbauern sondern von Historikern: Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes haben auf mehreren Grundstücken hinter der Häuserreihe am Teich drei so genannte Suchgräben angelegt, in denen sie nach möglichen Spuren aus der Vor- und Frühgeschichte fahnden.

Die Bodenuntersuchungen sind Teil der Bauvorbereitung und durch das Denkmalschutzgesetz abgedeckt. Sie sollen möglichst vermeiden, dass bei größeren Bauprojekten kulturgeschichtliche Schätze unwiederbringlich verloren gehen.

Karten aus dem 18. Jahrhundert belegen, dass es zu jener Zeit bereits eine Häuserzeile am Teich gab. „Möglicherweise fußen sie auf älteren Siedlungsresten“, begründete Grabungsleiter Dr. Ingo Lütjens gestern die vorsorgliche Untersuchung.

In den drei zwischen 12 und 20 Meter langen, 2,5 Meter breiten und und bis zu zwei Meter tiefen Gruben achten Lütjens und sein Team vor allem auf auffällige Verfärbungen in den Bodenschichten, Scherben oder steinerne Fundamente. Die Auffälligkeiten werden sorgfältig vermessen, fotografiert und dokumentiert.

Die meisten bislang entdeckten Spuren stammen jedoch aus der jüngeren Vergangenheit, viele aus der Nachkriegszeit, sie sind für die Archäologen nicht von Interesse. „Leider haben wir bislang wenig Interessantes gefunden“, bedauerte Lütjens gestern in einer vorläufigen Bilanz der seit Montag laufenden Grabungen. Zwei Stellen wollte der Grabungsleiter gestern aber noch weiter untersuchen lassen. Auf dem Parkplatz-Gelände des „Hotelchens am Teich“ waren die Archäologen auf einen etwa meterbreiten Steinring gestoßen. Tiefere Grabungen sollen zeigen, ob es sich möglicherweise um einen alten Brunnenbau handeln könnte. Brunnen wurden in früheren Zeiten zur Stabilisierung gern mit Holz verstärkt oder ausgekleidet. Für Experten wird das längst vergangene Holz durch auffällige Verfärbungen im Boden wieder sichtbar.

Sollten sich keine weiteren Indizien auf frühgeschichtliche Schätze finden lassen, sollen die Grabungsschnitte aber bereits heute oder morgen wieder verfüllt werden, kündigte Lütjens an.

Einen spektakulären Fund aus frühgeschichtlicher Zeit hatte es in Neumünster zuletzt vor sieben Jahren gegeben. Bei der Suche mit einem Metalldetektor war ein Wittorfer Hobby-Archäologe auf dem Baugrund des heutigen DOC an der Oderstraße per Zufall auf eine sogenannte Fadrup-Axt (nach dem dänischen Ort Fadrup) gestoßen. Das Werkzeug aus der Frühphase der nordischen Bronzezeit (1800 bis 1700 v. Chr.) wird heute im Landesmuseum in Gottorf verwahrt.

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