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Ungewisse Zukunft : Arbeitsplätze im Bahn-Werk in Neumünster in Gefahr

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Modernere Züge bedeuten weniger Wartungsarbeiten. Das wirkt sich nun auf das Instandhaltungswerk in Neumünster aus.

Neumünster | Bis zu 700 Arbeitsplätze in Neumünster sind möglicherweise gefährdet. Die Zukunft des Fahrzeug-Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn sei ungewiss, bestätigte der Betriebsratsvorsitzende Heiko Pätzel am Freitag entsprechende Medienberichte. „Die Personalleitung hat Sozialbögen verteilt, weil der Arbeitgeber die neuesten Sozialdaten der Beschäftigten im Werk haben will“, sagte Pätzel. Dies könne man als Voraussetzung für eine Sozialauswahl im Falle von Kündigungen verstehen. Sämtliche 13 Instandhaltungswerke der Bahn in Deutschland seien auf dem Prüfstand.

„Es gibt keinerlei Beschlüsse zu einzelnen Werken oder Standorten“, sagte eine Bahnsprecherin am Freitag in Hamburg. „Die Deutsche Bahn ist zum Thema ,Werkestrategie 2030' in vertraulichen Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern.“ Man bitte um Verständnis, sich daher noch nicht weiter äußern zu können.

Der Betriebsrat in Neumünster ist laut Pätzel bisher nicht über mögliche Betriebsänderungen informiert worden. Er befürchte, das Werk in Neumünster werde irgendwann den Bach runtergehen. Im nächsten Jahr werde nach den Bahn-Planungen die Zahl der Fertigungsstunden im Werk Neumünster von 700.000 auf 520.000 sinken. Die Produktion von Radsätzen werde den Bahnplanungen zufolge ab Juli 2017 in Neumünster eingestellt. Die Bahn wolle in der Zukunft nur noch in vier statt bisher acht Werken Radsätze produzieren.

Insgesamt habe die Bahn zu große Instandhaltungskapazitäten, da die modernen Waggons weniger wartungsintensiv seien, sagte Pätzel. „Das ist das Problem.“ Die 13 Betriebe gehören zur DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH in Frankfurt, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn.

Auf einer Betriebsversammlung im Werk Neumünster solle sich die örtliche Geschäftsführung am kommenden Mittwoch zur Zukunft des Werkes äußern, sagte Pätzel. Neben den 700 Arbeitsplätzen seien außerdem schätzungsweise rund 300 Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben im Fall einer Werksschließung bedroht.

Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras (parteilos) will sich bei der Bahn für die Zukunft des Werks einsetzen. „Für uns ist das Werk sehr wichtig, und für die Bahn ist Neumünster ein Traditionsstandort“, sagte Thorben Pries, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters. „Seit 155 Jahren ist die Bahn in unserer Stadt.“

Die Kernkompetenz des Werkes liegt nach Angaben der Bahn im Bereich der Instandhaltung von Schienenverkehrsfahrzeugen aller Art. Die große Revision sei für alle Reisezugwagen zum Beispiel nach 1,2 Millionen Laufkilometern - spätestens aber nach sechs beziehungsweise acht Jahren vorgeschrieben.

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erstellt am 02.Dez.2016 | 14:17 Uhr

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