Boostedt : Arbeit gegen „Lagerkoller“

Jan Marcus Rossa (von links) und Stephan Holowaty im Gespräch mit Bürgermeister Hartmut König.
Jan Marcus Rossa (von links) und Stephan Holowaty im Gespräch mit Bürgermeister Hartmut König.

FDP-Politiker informierten sich in Boostedt über Flüchtlingsunterkunft und Konversion.

shz.de von
08. Juni 2018, 08:40 Uhr

Boostedt | Viele Fragezeichen gibt es im Moment in Boostedt rund um die Zukunft der Landesunterkunft für Flüchtlinge und den damit zusammenhängenden Problemen der Konversion und dem Standort der Freiwilligen Feuerwehr. Jedenfalls sei die Bedrohung für die Bürger nicht gestiegen, erklärten die beiden FDP-Landtagsabgeordneten Jan Marcus Rossa und Stephan Holowaty, die gestern Vormittag in der Gemeinde waren, um sich einen Überblick der Situation und Stimmung im Ort zu verschaffen.

Ein großes Problem sahen die Parlamentarier im holprigen Informationsfluss von Land und Bundeswehr in Richtung Boostedt. „Es gibt großen Klarstellungsbedarf. Die Akzeptanz für die Erstaufnahme in der Boostedter Bevölkerung schwankt, solange Unsicherheiten durch ungeschickte Kommunikation provoziert werden“, meinte der innenpolitische Sprecher Jan Marcus Rossa.

Das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) hatte am 8. Mai die Gemeinde um Zustimmung gebeten, die ehemalige Rantzau-Kaserne unbefristet als Landesunterkunft weiterführen zu können. Auf Courier-Nachfrage antwortete daraufhin das Innenministerium, es sei lediglich eine weitere Befristung bis 2024 vorgesehen. „Die Beteiligten halten sich in Unklarheiten auf“, kritisierte der kommunalpolitische Sprecher Stephan Holowaty.
Warum Neumünster als Oberzentrum nicht vor der Boostedter Außenstelle der Erstaufnahme in die Pflicht genommen werde, konnten die Abgeordneten nicht beantworten.

Viele Menschen in der Flüchtlingsunterkunft haben eine schlechte Bleibeperspektive, erklärte Holowaty. Weil die Menschen nicht auf die Gemeinden verteilt und integriert werden, „sondern lange in der Erstaufnahme bleiben, kann es zu Frustrationen und Konflikten kommen. Die Aussagen des DRK zur Prävention eines ‚Lagerkollers‘ sind eindeutig: Sinnvoll ist eine gemeinnützige Arbeit“, schilderte Rossa. Diese sei bisher begrenzt auf eine bestimmte Anzahl von Bewohnern, die Warteliste sei lang und auch das DRK hätte genügend Angebote, erläuterte Holowaty. Für gemeinnützige Arbeit gebe es eine Aufwandsentschädigung von 80 Cent pro Stunde.

„Die gefühlte Bedrohungslage im Ort ist gestiegen. Sie ist subjektiv anders als tatsächlich. Laut Aussagen der Polizei gibt es zwar einen Anstieg von Ladendiebstählen, aber nicht von sexuellen Übergriffen oder Bedrohungen“, berichtete Jan Marcus Rossa von den Gesprächen mit der Polizei.

Auf der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, 14. Juni, werden die Kommunalpolitiker über den Antrag des Gebäudemanagements abstimmen.

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