Jugendtheater : Applaus für „Kasimir und Karoline“

Auf allen Vieren kriecht Johanna Wienholz als Karoline zu Kasimir zurück - vergeblich.
Auf allen Vieren kriecht Johanna Wienholz als Karoline zu Kasimir zurück - vergeblich.

Der Jugendtheaterclub zeigte das Volksstück von Ödon von Horváth in einer überraschenden, aber gelungenen Inszenierung

von
26. Mai 2015, 05:45 Uhr

Neumünster | Lang anhaltenden Applaus bekam die Premiere „Kasimir und Karoline“ am Freitagabend im Theater in der Stadthalle. Vollkommen verdient, denn der Jugendtheaterclub hat das Stück des österreich-ungarischen Schriftstellers Ödon von Horváth in einer überraschenden Inszenierung von Maximilian Kornprobst erfrischend auf die Bühne gebracht. Die zwölf Darsteller sprühten vor Energie und boten starken Körpereinsatz.

Die Plätze für 80 Zuschauer – mehr wollten, aber konnten nicht eingelassen werden – befanden sich auf der Bühne und flankierten in langen Stuhlreihen zwei Seiten. Der Clou ergab sich schon bei der Platzwahl: Der Weg führte die Besucher quer über die Spielfläche.

Der damals eher unbekannte Autor Horváth (1901-1938) hat sein 1932 erschienenes Stück über die Verstrickungen von Liebe, Freiheit und sozialen Status auf dem Münchner Oktoberfest spielen lassen. „Wir haben die Szene in einen Partybereich hier in der Nähe verlegt“, erklärte der Regisseur und ließ bewusst einen konkreten Ort offen. Übernommen hat die Truppe einen angrenzenden Jahrmarkt, auf dem die nach Veränderung strebende Karoline das eine und andere Techtelmechtel erlebt. Sie will frei sein und versteht darunter in erster Linie die beliebig wirkende Partnerwahl. Der verlassene Kasimir trauert ihr nach und fühlt sich zudem minderwertig, weil ihm seine Stellung als Chauffeur gekündigt wurde. Kasimir fleht und leidet, findet eine andere Frau und serviert Karoline ab, als die buchstäblich zu ihm zurück kriecht. An dem turbulenten Wochenende treffen verschiedene Menschen aufeinander, betrinken sich, flirten und prügeln.

„Wir haben zum ersten Mal keinen Klassiker, sondern ein Volksstück mit einer modernen Thematik gewählt. Es geht um Liebe als Egoproblem“, erklärte Maximilian Kornprobst. Johanna Wienholz (19) hat die Karoline gegeben und meinte: „Es geht ihr hauptsächlich darum, irgendjemanden zu haben. Sie verrennt sich dabei. Das ist eine zeitlose Rolle.“ Zuschauerin Rosemarie Petersen gefiel das Theaterstück sehr: „Fantastisch! Das war etwas ganz anderes. Alle Schauspieler wirkten sehr frei und authentisch.“  

>

Die nächste Aufführung des Stücks gibt es am Dienstag, den 2. Juni, um 20 Uhr im Theater in der Stadthalle.



zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen