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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 19:00 Uhr

Poetry Slam : Applaus bestimmte Platzierungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim „Statt-Gespräch“ am Freitag entschieden erstmals die Zuschauer, wer den Titel holte. Michel Kühn aus Kiel siegte.

Neumünster | Erneut war das Statt-Theater am Haart ausverkauft, als am Freitag Moderator David Friedrich, zum ersten „Statt-Gespräch“ 2015 einlud. Poetry-Slam, diese moderne Kleinkunstform, hat auch in Neumünster eine treue und zahlreiche Fangemeinde in allen Altersgruppen. Friedrich hatte wie immer zehn Akteure eingeladen, nur acht traten an und bestritten drei Vorrunden sowie das Finale.

Neu am vergangenen Freitag: Es gab keine Jury, die Punkte verteilte. Der Applaus aller im Theater entschied über die Platzierungen. So lagen in der zweiten Vorrunde Torsten Wolff (Kiel), Lennart Hamann (Hamburg) und Paul Lennart Vollmers (Kiel) eigentlich gleichauf. Hamann bekannte sich als „schokosexuell“ und setzte sich mit einem „gereimten Hoch auf die Schokolade“ gegen zwei Slamer durch, die die politische Weltlage mit der Flüchtlingstragödie im Mittelmeer und Bildern aus Afghanistan thematisierten. Vollmers hatte wohl recht, als er sagte: „Denken ist nun mal anstrengend.“

Für seine lustigen, oft tiefgründigen Wortspiele wie zum Beispiel, „Wahlhelfer bekommen 30 Euro, helfen aber nicht der Wahl“, bekam der einzige Neumünsteraner Jörg Maaß viel Beifall, aber ins Finale reichte es für ihn nicht. Auch die einzige Frau, Laura Funke aus Flensburg, schaffte den Einzug nicht. Für sie grenzten manche Erklärungen von sprachlichen Sachverhalten „an kognitive Behinderungen“.

Im Finale trafen dann Michel Kühn (Kiel), Lennart Hamann und Jan Wilhelm Schund (beide Hamburg) aufeinander. Dabei glänzte und siegte Kühn mit seinem Liebeslied „Herz aus Stein“. Theatralisch ließ er jahrhundertelang Stalaktit und Stalagmit in der Tropfsteinhöhle aufeinander zuwachsen, bis sie sich endlich trafen. Schon bei seinem ersten Auftritt sorgte er für spontanen Applaus, als er meinte, es gibt keine Politikverdrossenheit, sondern nur „Betrugsverdrossenheit“ in unserem Land. Und den hochgestylten Heidi-Models gab er mit auf den Weg: „Hochmut kommt vor den Falten.“ Zum Schluss trat Thomas Spitzer aus Regensburg noch als Gastredner auf.

Gudrun Meissner aus Beringstedt, nach eigenen Aussagen „kurz vor 80“, besucht schon einige Poetry-Slams. „Ich liebe diese intelligenten Texte der jungen Leute, erst recht, wenn sie auswendig vorgetragen werden.“

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