Bahnhofstrasse in Neumünster : Anwohner protestieren gegen Bordell

Die Mitarbeiterinnen Lisa Blunk (von links), Daniela Boysen, Kirsten Graßmay und Ines Krüger sowie Erika Stüben (3. von links) haben  vom Eingang des Geschäftes „Fuß & Schuh“ einen direkten Blick auf das rote Licht im Fenster gegenüber.
Die Mitarbeiterinnen Lisa Blunk (von links), Daniela Boysen, Kirsten Graßmay und Ines Krüger sowie Erika Stüben (3. von links) haben vom Eingang des Geschäftes „Fuß & Schuh“ einen direkten Blick auf das rote Licht im Fenster gegenüber.

An der Bahnhofstraße arbeiten seit kurzem Prostituierte in einem Haus zwischen Kirche, Kinder-Geschäft und Familienwohnungen.

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30. November 2013, 06:00 Uhr

Neumünster | Erika Stüben und ihre Tochter Kirsten Graßmay haben schon den genauen Überblick: „Wenn die roten Lampen in den Fenstern leuchten, sind die Zimmer frei, wenn nicht, ist Kundschaft da.“ Durch das Schaufenster ihres Geschäfts „Fuß & Schuh“ an der Bahnhofstraße blicken sie genau auf ein neues Etablissement der besonderen Art im Haus gegenüber. Seit einigen Wochen vergnügen sich dort offenbar Männer mit Prostituierten. Gemeinsam mit dem Architekten Reinhold Wuttke, der direkt neben den Stundenzimmern mit seiner Familie wohnt und arbeitet, läuft Familie Stüben nun Sturm gegen das offensichtliche Bordell. „Wir wollen, dass es schließt“, so Erika Stüben.

Besonders pikant ist nämlich die Lage des Vergnügungshauses. Direkt daneben befindet sich das von den Stübens betriebene Schuhgeschäft für Kinder, quer gegenüber liegen die katholische St. Maria-St. Vicelin-Kirche und das Gemeindehaus. „Außerdem kommen hier viele Schüler auf ihrem Schulweg und die Kinder aus der katholischen Kindertagesstätte vorbei, wenn sie zum Beispiel auf den Markt gehen“, sagt Erika Stüben. Fragen der Kleinen wie „Warum leuchten da rote Lampen“ blieben nicht aus. Doch damit nicht genug. Direkt über ihrem Geschäft haben Stübens eine Wohnung an eine Familie mit Kindern vermietet. „Die können direkt in die Fenster blicken, weil die meist nur halb zugezogen sind“, sagt Kirsten Graßmay. Von „eindeutigen Schattenspielen“ vor einigen Tagen berichtet Erika Stüben. „Wir sind alle nicht prüde, aber in dieser Gegend muss das wirklich nicht sein“, sagt Erika Stüben.

Auch Reinhold Wuttke bezeichnet sich selbst grundsätzlich als toleranten Menschen. Dass er und seine Mitarbeiter von ihren Arbeitsplätzen aus nun aber direkt jeden Freier beobachten können, stört auch ihn. Zudem gibt es ein weiteres Problem: „Unsere Kunden erreichen uns über die Hofeinfahrt des Hauses, das heißt sie treffen regelmäßig auch mit den Freiern zusammen.“ Diese Situation war für ihn nicht mehr länger hinnehmbar. Der Vater einer Tochter (8) und eines Sohnes (6) lässt jetzt eine hohe Mauer errichten und den Eingang verlegen. „Letztlich sind wir aber machtlos“, gesteht er ein.

Das sieht auch Rainer Wetzel von der Polizei so: „Grundsätzlich kann jeder in seinen Wohnungen tun und lassen, was er will, solange es legal ist.“ Hinweise auf Straftaten gebe es bisher nicht. „Wir haben ein Auge darauf“, sagt Wetzel. Pfarrer Peter Wohs wollte sich gegenüber dem Courier nicht äußern.

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