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Holsteinischer Courier

23. August 2017 | 08:45 Uhr

Trend : Ansturm der Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Diakonie prognostiziert 5000 Flüchtlinge 2014 / 25 Prozent sind aus Syrien

Die Zahlen sprechen für sich: 2013 stellten 3600 Flüchtlinge in Neumünster einen Asylantrag. 2012 waren es 2300 Menschen. Für 2014 prognostizierte gestern die Flüchtlingsberatung der Diakonie 5000 Menschen. Diese dramatische Zunahme bedeutet neue, besondere Herausforderungen für die Helfer, stellten gestern Michael Frenzel, Fachbereichsleiter Soziale Hilfen, und Flüchtlingsberaterin Rike Müller beim Vorstellen der Zahlen fest.

Die Kapazität der Zentralen Gemeinschaftsunterkunft am Haart ist mit etwa 400 Bewohnern aus 20 Nationen bereits an der Grenze. Das Land überlege, einen leerstehenden Kasernentrakt zu öffnen, so Frenzel. Außerdem erhöht die Diakonie die halbe Stelle von Rike Müller auf eine ganze. Aufgrund des Kapazitätsdrucks verkürzt sich die Aufenthaltsdauer auf zwei bis drei Wochen – mit Folgen für die Beratung. „Der Bedarf ist da, die Menschen sind dankbar, außerhalb der Unterkunft ein externes Beratungsangebot nutzen zu können“, so Frenzel. 150 Flüchtlinge hat Rike Müller 2013 beraten, 2012 waren es 100. „Die Menschen weinen, halten mich zum Teil auf der Straße an und fragen nach Beratung“, sagt Rike Müller. Denn in den ersten Wochen ist für die Neuankömmlinge vieles unklar: Was müssen sie in dem Interview mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über ihre Flucht erzählen, damit ihr Antrag angenommen wird? „Viele möchten nicht über die erlittene Folter reden, müssen es aber, denn jeder muss seine politische oder religiöse Verfolgung individuell darlegen“, sagt Rike Müller.

Um möglichst viele Flüchtlinge zu erreichen, ist die 49-jährige Sozialpädagogin jeden Donnerstag im Flüchtlingscafé Vis-à-Vis an der Tizianstraße, eine Kooperation der Diakonie mit der Bonhoeffer-Gemeinde. Dort bietet sie eine Kurzberatung an; weitere (längere) Gespräche finden Am Alten Kirchhof statt. „Das Café ist ein Ort, an dem sie sich erwünscht fühlen dürfen, außerdem bieten wir dort Deutschkurse an, geben Kleidung aus. Manche Familien aus Syrien kommen nur mit einer Plastiktüte hier an“, weiß Rike Müller. Der Bürgerkrieg in Syrien hat konkrete Folgen: 25 Prozent der Flüchtlinge kommen von dort; es folgen Afghanistan und der Iran mit je 22 Prozent. Viele von ihnen sind traumatisiert oder – nach Vergewaltigungen– sogar selbstmordgefährdet, wie Rike Müller in vielen Gesprächen gehört hat. Therapeutische Hilfe zu vermitteln, ist schwierig. Den Menschen trotzdem ein Stück Normalität zu geben, ist ein weiteres Ziel. Neben Informationsveranstaltungen werden auch Freizeitaktivitäten im Café organisiert wie Backgammon-Turniere. Neuester Wunsch: Schachspielen. Spenden sind willkommen (Tel. 25 27 10 22 oder im Café).

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erstellt am 17.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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