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Anscharkirche: Die Schwester als Lebensretterin

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Kapitel der Festschrift (siehe Text oben) befasst sich mit der Zerstörung der Anscharkirche 1944. Uwe Steffen erzählt dazu 1994:

„Ich habe bei allen Alarmen auf dem Turm der Anscharkirche Feuerwache gestanden – als Melder. Kurz vor dem 25. Oktober 1944 wurde ich zum Panzergräben-Ausheben nach Niebüll abgeordnet. Von dort kam ich vor dem 6. November voller Krätze (ein Wort unleserlich). Im Haus Nummer 6 schlief ich als Aussätziger unter dem Dach auf unbezogenem Bett unter unbezogener roher Decke und konnte mit 40 Grad Fieber bei Alarm nicht in den Keller.

Das konnte meine ältere Schwester Antje nicht akzeptieren. Sie besorgte hinter meinem Rücken die notwendigen Papiere und ermöglichte mir, nach Stralsund zu meinem Vater zu fahren. Dort gerade erst angekommen, erreichte uns ein Telegramm: ‚Antje verschüttet, nicht geborgen. Bitte kommen.‘ Wir kehrten sofort um. In Neumünster erfuhren wir, dass unsere Schwester nicht mehr lebte. Ich sehe noch die Leichen unter Papier nebeneinander im Anschargemeindehaus auf dem Boden liegen, sehe meinen Vater eine Abdeckplane hochheben – ja, das war Antje.

Meine Schwester Inken wurde am 6. November auf dem Bahnhof von dem Angriff überrascht und hat ihn von dort aus erleben und beobachten müssen. Als sie anschließend zu Nummer 6 kam und das Dach am Boden sah, sagte sie einem Freund / Hitlerjungen von mir: Da ist meine Schwester drin! So holte er Hilfe und sie begannen, die Verschütteten auszugraben und sie fanden die Toten und die beiden, die überlebt haben.

Es war schon ein eigenartiges Gefühl: Wenn meine Schwester mich da nicht weggeschickt hätte...“

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erstellt am 15.Nov.2014 | 13:28 Uhr

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