Boostedt : Anrührend und komisch: Heger schaffte den Spagat

Als schwarzhaarige Ostfriesin hat man es nicht leicht: Davon berichtete die Künstlerin Annie Heger (33, vorne) gemeinsam mit dem Pianisten Matthias Monka (44, hinten) in ihrem amüsant-anrührenden Programm „Watt’n Skandaal“ im Hof Lübbe.
Als schwarzhaarige Ostfriesin hat man es nicht leicht: Davon berichtete die Künstlerin Annie Heger (33, vorne) gemeinsam mit dem Pianisten Matthias Monka (44, hinten) in ihrem amüsant-anrührenden Programm „Watt’n Skandaal“ im Hof Lübbe.

Die Plattschnackerin aus Ostfriesland begeisterte 120 Zuschauer im Boostedter Hof Lübbe.

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11. Oktober 2016, 12:00 Uhr

Boostedt | Mit wunderschöner, klarer Stimme präsentierte sich am Sonntagabend der „Spatz von Spetzerfehn“ alias Annie Heger den 120 Besuchern im Boostedter Hof Lübbe. Auf Einladung des Kultur- und Fördervereins stand die ostfriesische Künstlerin mit ihrem plattdeutschen Programm „Watt’n Skandaal“ auf der Bühne. Dabei trug die 33-Jährige zunächst in Jeans und T-Shirt mit spitzbübischem Augenzwinkern ihre Lebenserfahrungen in Liedern und Anekdoten vor.

Skandalös war dabei allerdings eigentlich nur ihre Geburt – im überwiegend blonden Ostfriesland sei sie als Mädchen mit schwarzen Haaren zur Welt gekommen. Deshalb habe es weniger „Bonschen“ (Bonbons) für die Schwarzhaarige gegeben. „Und“, fügte sie traurig hinzu, „man wird auch keine Blütenkönigin in Wiesmoor.“

Weiter ging es mit amüsanten Familiengeschichten von Oma und Opa, der Einführung des Euros in ihrer Heimat oder auch einem Klobesuch in der Nordwestbahn: „Das ist der reinste Wellnessurlaub.“ Mit Geschenk-Orgien zu Weihnachten versuche ihre Familie die ostfriesische Wirtschaft anzukurbeln, berichtete sie dem staunenden Publikum, bevor sie mit „Baldwine“ und „Munibert“ auf die wohlklingende, jedoch ausgefallene ostfriesische Namenskultur einging. Natürlich gab es von der Fachfrau auch eine kleine Teekunde, und Heger erzählte anrührend von Freundschaften zu Zeiten der Mauer zwischen dem „Ossi“ aus Ostfriesland und dem „Ossi“ von „drüben“. „Auch heute ist es wichtig, die Grenzen, die wir in uns tragen, zu öffnen“, erklärte sie und erhielt dafür viel Beifall.

Im zweiten Teil ihres Programms überraschte die Künstlerin ihr Publikum mit einem gewagten Outfit: Im kleinen Schwarzen, mit Federn im Haar und einem glamourösen Auftritt wie einst Liza Minelli in „Cabaret“ versetzte Annie Heger ihre Zuschauer ins Staunen. Am Klavier begleitet wurde sie von Matthias Monka (44). Der Pianist präsentierte sichnicht nur als perfekter Heger-Partner, sondern glänzte auch solo als „Mann in der besseren Hälfte seiner Jahre“. Und zum Abschied bewies der „Spatz von Spetzerfehn“ schließlich mit dem stimmungsvoll auf Plattdeutsch gesungenem Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, dass sie auch ein ausgesprochen romantischer Paradiesvogel sein kann.  

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