Anne, Anne!

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12. Januar 2016, 00:32 Uhr

Hein Tüt hat neue Nachbarn. In dem kleine Einfamilienhaus, das direkt an seinen Garten grenzt, ist vor zwei Monaten eine Familie mit zwei kleinen Jungs eingezogen, die bei ihren ersten Inspektionen des Gartens immer wieder lautstark nach „Anne, Anne“ verlangten. Hein musste dabei in sich hineinschmunzeln und fühlte sich an seine Jugendzeit erinnert – genauer gesagt an die zwei Jahre, die er während seiner Ausbildung in Berlin verbracht hatte. Warum, das konnte er am vergangenen Sonntag bei einem „Kennenlernkaffee“ bei den neuen Nachbarn gleich als kleine Anekdote unterbringen: Hein war damals auch aus Kostengründen mitten in ein türkisches Quartier gezogen. Als junger Mann, der die Welt erkunden wollte, war ihm damals nicht bange vor dem, was viele heute etwas hochgegriffen als „Kulturschock“ bezeichnen. Als echtes Landei wunderte sich Hein zunächst allerdings, warum die Kinder in den Straßen immer wieder bei Spiel oder Zank nach „Anne, Anne!“ riefen. Nanu, hatten die hier alle ein deutsches Kindermädchen oder was? Eine Mitbewohnerin seiner WG hatte sich damals schlapp gelacht und Hein aufgeklärt, dass Anne auf türkisch Mama heißt.

Spätestens nach dieser kleinen Anekdote war das Eis zwischen den Tüts und ihren neuen deutsch-türkischen Nachbarn gebrochen, und Hein lernte an diesem Nachmittag noch, dass seine beiden Nachbarjungs neben ihrer Anne auch auch Babaanne und Anneanne, Oma und Oma, haben. Na logisch, Baba klingt ja fast wie Papa und Mutters Mutter ist schließlich auch im Deutschen die Oma. Türkisch ist doch gar nicht so schwer!
Guten Tag, bis morgen!

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