Am Hünengrab : Anlieger fühlen sich überfahren

Joachim Polzin zeigt die  bislang nur notdürftig geflickte  Straßenoberfläche  und die Anliegerinformation der Stadt.
Joachim Polzin zeigt die bislang nur notdürftig geflickte Straßenoberfläche und die Anliegerinformation der Stadt.

Stadt will die Straße neu pflastern, obwohl zuerst der Kanal saniert werden muss. Anwohner und Stadtteilbeirat kritisieren die Informationspolitik der Stadt

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26. Juni 2014, 17:00 Uhr

Neumünster | Die Anlieger der Straße Am Hünengrab in Gadeland fielen aus allen Wolken: In einer kurzen Mitteilung kündigte ihnen die Stadt vor zwei Wochen an, dass ab Montag, 30. Juni, die Fahrbahn in ihrer Wohnstraße erneuert und deshalb voll gesperrt wird. Bis zur geplanten Fertigstellung im Frühherbst gebe es deshalb keine Parkmöglichkeiten. Die Pflasterarbeiten sollen durch eine Mühbrooker Firma ausgeführt werden. Um Baufreiheit zu garantieren, werden die Anlieger aufgefordert, in den Gehweg ragende Hecken zurückzuschneiden.

„Wir fühlen uns überrollt“, sagt Joachim Polzin (61). Weder die Anlieger noch der Stadtteilbeirat seien an der Entscheidung beteiligt worden. Stadtteilvorsteher Dr. Volker Matthée bestätigt das: „Wir sind nicht vorab informiert worden. Das ist der falsche Weg.“

18 von 20 Anliegern haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen geschlossen und kritisieren in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras das Vorgehen der Verwaltung. Es entspreche nicht „einer zeitgemäßen und bürgernahen Kommunikation bei Maßnahmen, die gravierend in das persönliche Umfeld des Bürgers eingreifen“, heißt es in dem Brief.

Die Anwohner vermissen Informationen über die voraussichtlichen Kosten und die Verteilung auf die Anlieger. Polzin: „Wir haben ja nichts gegen die Sanierung der durch Frostschäden maroden Straße. Aber man muss uns darüber informieren und Varianten anbieten.“

Eine Pflasterung nennt Polzin die „teuerste Ausführung, die die finanziellen Möglichkeiten vieler Anwohner sprengt“. Er rechnet mit Anliegerbeiträgen von bis zu 10 000 Euro. Aus diesem Grund hätten sich die Anlieger Ende der 1990er-Jahre auch schon einmal gegen die Umgestaltung als verkehrsberuhigte Straße ausgesprochen.

Die Anlieger kritisieren zudem, dass die Straßenoberfläche vor dem Abschluss der Arbeiten am defekten Kanalsystem erneuert werden soll. Polzin: „Sie rufen ja auch nicht erst den Maler – und dann kommt der Elektriker und schlitzt die Wände wieder auf.“

Die Stadt hat auf die Kritik reagiert. „Die Anliegerinformation war wohl nicht ausreichend“, räumt Tiefbau-Fachdienstleiter Ralf-Joseph Schnittker ein und kündigt an: „Wir werden bei einem derartigen Missverständnis nicht am Montag mit der Baumaßnahme starten.“ Die Straße Am Hünengrab sei eingebettet in einen Gesamtauftrag zur Straßenerneuerung auch in der Norderstraße.

Die Stadt plant jetzt eine Informationsveranstaltung für die Anlieger. Dort sollen Fragen wie die Bauausführung, die voraussichtliche Höhe der Kosten und der Anliegerbeiträge geklärt werden. Auch zum möglicherweise defekten Schmutzwasserkanal benötige die Stadt selbst noch zusätzliche Informationen. Joachim Polzin und die Interessengemeinschaft begrüßen die Verschiebung des Baustarts: „Damit ist Raum geschaffen für eine Klärung der aufgeworfenen Fragen.“

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