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Riskante Fonds : "Anleger bewusst aufs Glatteis geführt"

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Gruppe von Neumünsteranern streitet mit bundesweiten Protestaktionen für Entschädigungen durch Emissionshäuser.

„Ich war naiv“, räumt Jürgen Lasch (72) offen ein. Der ehemalige Chemie-Ingenieur aus der Gartenstadt gehört zu den rund 70 Privatanlegern aus Neumünster, die mit hochriskanten Anlagen wie geschlossenen Schiffsfonds viel Geld verloren haben.

Lasch bezeichnet sich als „konservativen Anleger, der zuvor nur in Festgeld anlegte“. Mit den ihm als „Schiffs-Sparbuch mit guten Zinsen“ und als „harte Sachwerte“ verkauften Beteiligungen hat er bis heute etwa 60 000 Euro verloren. Architekt Joachim Schmidt (71), ebenfalls aus der Gartenstadt, büßte sogar einen sechsstelligen Betrag ein.

Über die Berichterstattung im Courier wurden beide auf eine Anlegergruppe aufmerksam, die sich öffentlichkeitswirksam wehrt. Die etwa 15 Neumünsteraner um ihren Sprecher Peter Kleinjung sind mit ihren Protestaktionen vor Banken und Fondshäusern bundesweit bekannt geworden und konnten erste Teilerfolge erzielen. Manche Banken, die wie die Postbank solche Fonds vermittelten, haben sich mit ihnen verglichen (der Courier berichtete).

Jetzt gehen die streitbaren Anleger auch gegen die Emissonshäuser vor, die die Fond aufgelegt haben. Unterstützung bekommen sie von Insidern wie Uwe Dunsing oder Klaus-Peter Giebel. Bankbetriebswirt Dunsing leitete früher diverse Filialen bei großen Privatbanken und ist heute selbstständiger Vermögensberater. Dass Privatanleger wie Joachim Schmidt und Jürgen Lasch die Fondsprospekte zwar gelesen, aber nicht verstanden haben, wundert ihn nicht.

Die Prospekte seien von vornherein so aufgebaut, dass der Privatanleger und sogar Experten nicht übersehen könnten, wie viele Kosten darin versteckt seien. „Der Anleger wusste immer nur vom Aufgeld von fünf Prozent. Tatsächlich gibt es versteckte sogenannte weiche Kosten bis zu 32 Prozent der Investitionssumme“, sagt Dunsing. Giebel nennt als Beispiele völlig überzogene Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren. Den Verkäufern winkten Luxusreisen als Vertriebsanreize – alles aus den Anlegergeldern finanziert.

„Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nie investiert“, sagt Joachim Schmidt heute. „Alle haben sich in die Taschen gestopft: der Vermittler, die Bank und die Fondsgesellschaft“, so Lasch. Für Rechtsanwalt Dr. Arne Heller, der rund 400 geschädigte Anleger vertritt, davon 70 allein aus Neumünster, „stinkt der Fisch vom Kopf an, und das sind die Emissionshäuser“.

Als die viel zu optimistisch prognostizierten Charterraten in der Finanzkrise einbrachen und die Einnahmen nicht mehr ausreichten, um den Kapitaldienst für die aufgenommenen Kredite zu leisten, wurde auch Lasch und Schmidt klar: Sie hatten nicht in eine sichere Sparanlage investiert, sondern in eine unternehmerische Beteiligung mit großen Risiken und langen Laufzeiten. „Die Ausschüttungen blieben einfach aus. 2010 kam die Aufforderung, frisches Kapital nachzuschießen, jetzt in diesem Jahr noch einmal 20 Prozent“, sagt Lasch.

Dunsing: „Und das, obwohl die Anlage praktisch pleite ist.“ Anleger haben deshalb Strafantrag gegen das Fondshaus Dr. Peters wegen Kapitalanlagebetrugs und gewerblichen Betrugs gestellt. Dunsing spricht von „schön gerechneten und frisierten Kalkulationen“ der Emissionshäuser, die mit ihrer „Verschleierungstaktik die Anleger bewusst aufs Glatteis geführt“ haben. Anleger sollten nicht erkennen, was an ihnen verdient wird.

Jürgen Lasch hofft, dass noch mehr Anleger auch aus seinem Schaden klüger werden. Er will weiter öffentlichen Druck aufbauen und bei Kundgebungen vor Fondshäusern und Anlegerversammlungen wie zuletzt in Dortmund für eine Entschädigung demonstrieren.

 

 

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