Erstaufnahme in Neumünster : Ankunft nur noch in Neumünster

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Aktuell hat die Erstaufnahme am Haart eine Kapaziät von 764 Flüchtlingen. Fotos: Harding
Aktuell hat die Erstaufnahme am Haart eine Kapaziät von 764 Flüchtlingen. Fotos: Harding

Ab 2024 ist die Unterkunft am Haart die einzige Erstaufnahme für Flüchtlinge im Land. Kiel prüft Ankauf weiterer Flächen.

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08. August 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Vieles spricht dafür, dass die Erstaufnahmeeinrichtung am Haart in Neumünster ein Ankerzentrum für Flüchtlinge wird. Das Innenministerium bestätigte auf Nachfrage, dass die Erstaufnahme in Neumünster ab 2024 die einzige Aufnahmestelle für Flüchtlinge im Land bleiben soll, und Ministerpräsident Daniel Günther machte gegenüber dem „Tagesspiegel“ deutlich, dass er für ein solches Zentrum in Schleswig-Holstein offen sei, vermeidet aber den Begriff Ankerzentrum. „Das Bundesinnenministerium hat jetzt klar signalisiert, dass der Bund uns kein grundlegend neues Modell aufdrücken will, sondern wir die vorhandenen Einrichtungen weiterentwickeln und ausbauen können. Dafür sind wir sehr aufgeschlossen“, so Günther.

In diesen Zentren für Ankunft, Entscheidung und Rückführung (Anker) sollen Flüchtlinge unterkommen, bis sie in Kommunen verteilt oder abgeschoben werden. Dies aber geht nicht ohne entsprechende Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen auf dem Gelände der ehemaligen Scholtz-Kaserne in Neumünster. „Die Sanierung der Erstaufnahme ist seit einiger Zeit bereits im Gange. Wann diese Arbeiten abgeschlossen sein werden, ist noch unklar“, erklärte Tim Radtke, Sprecher des Innenministeriums.

662 Flüchtlinge (laut Ministerium aktuellste Zahl vom Juni) sind derzeit am Haart untergebracht. Die Kapazität liegt bei 764 Plätzen. Auf welchen Umfang erweitert werden soll, steht laut Innenministerium noch nicht abschließend fest. „Das ist Gegenstand von Gesprächen und Überlegungen aller betroffenen Stellen und Institutionen. Über die künftige Größenordnung wird das Innenministerium deshalb auch mit den Verantwortlichen der Stadt Neumünster in einen ausführlichen Dialog treten“, erklärte Radtke. Entsprechende Gespräche bestätigte gestern auch Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras (CDU) unserer Zeitung.

Ob das Land mit seinem eigenen Grundstück auf dem Kasernengelände auskommt, oder für die Erweiterung auch die Nutzung des rund sieben Hektar großen Areals nötig wird, das der Stadt gehört, kann man laut Ministerium noch nicht sagen. Auf dem städtischen Areal war bislang Wohnbebauung im Gespräch.

Außerdem soll Neumünster nach dem Willen der Landesregierung entweder Ende 2018 oder Anfang 2019 wieder davon befreit werden, Flüchtlinge zugewiesen zu bekommen und diese in Wohnungen unterzubringen. „Diese Regelung galt bereits bis Ende 2015. Ein entsprechender Verordnungsentwurf wurde im Kabinett behandelt und befindet sich derzeit im Anhörungsverfahren“, hieß es aus dem Innenministerium.

Seit Ende Juni sind Neumünster und die Außenstelle in Boostedt die einzigen Erstaufnahmen im Land. „Ab 1. Dezember 2019 wird Boostedts Aufnahmekapazität auf 500 Personen, in Ausnahmefällen auf 700 reduziert“, sagte der Ministeriumssprecher. 2024 soll die Außenstelle geschlossen werden. Derzeit sind rund 1200 Flüchtlinge in Boostedt untergebracht.
 

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