Krebskranke Kinder in Neumünster : Ankunft mit Vitaminen und Kuscheltier

Die Tschernobyl-Kinder stellten sich mit ihren Betreuern und Eberhardine und Peter Seelig (hinten, links) zum Erinnerungsfoto auf.
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Die Tschernobyl-Kinder stellten sich mit ihren Betreuern und Eberhardine und Peter Seelig (hinten, links) zum Erinnerungsfoto auf. 

23 krebskranke Kinder aus der Ukraine sind nach langer Anreise in Neumünster angekommen.

shz.de von
12. Juli 2018, 10:07 Uhr

Neumünster | Um 17.08 Uhr fuhr der Bus am Dienstagnachmittag an der Fröbelschule vor. Sichtlich erschöpft und müde stiegen die 23 krebskranken Kinder aus der Ukraine und ihre Betreuer aus. „Die Reise verlief problemlos, aber zum Teil sind die Kinder schon seit Montagabend unterwegs, haben den Nachtzug nach Kiew genommen und sind von dort dann vier Stunden nach Hamburg geflogen“, sagte Eberhardine Seelig von der Teestube David, die die Reha-Kur für die Tschernobyl-Kinder zum 27. Mal organisiert. Sie begrüßte die Kinder mit einer kleinen Ansprache.

„Wir leben hier wie eine große Familie, und ich bin die Babuschka (Oma auf Russisch). Viele Menschen haben geholfen, damit das hier ermöglicht wird. Alle wollen das schönste Erlebnis in euer Leben bringen“, sagte die 77-Jährige, die mit einem Helfer-Team drei Tage lang die Fröbelschule in ein Reha-Camp verwandelt hatte. Doch die Kinder waren geschlaucht – man hörte kaum ein Wort, schüchtern schauten sie sich um. „Geht in die Zimmer, dort findet ihr eure Namen an den Betten“: Alle verteilten sich und fanden nicht nur „ihr“ Bett, sondern auf jedem Kissen auch ein Kuscheltier. Außerdem wurden die Bademäntel anprobiert. „Wir hatten nicht von jedem Kind die Kleidergröße“, so Eberhardine Seelig.

Vermutlich hätten sich die Kinder am liebsten gleich schlafen gelegt, doch gutes Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Nach einem kleinen Gebet griffen die Kinder zu – es gab vitaminreichen Saft, Gurken-Tomaten-Paprika-Salat mit frischen Kräutern, Wurst- und Käsebrote und als Leckerei Erdbeeren zum Nachtisch. Das gute Essen ist neben viel frischer Luft, regelmäßiger Ruhe und schönen Erlebnissen das A und O für die Erholung der Kinder. Es gab nur einen Wermutstropfen: Wie befürchtet, konnten zwei Kinder aus gesundheitlichen Gründen die Reise nicht antreten – eines liegt sogar wieder in der Klinik.

Gestern begann der erste Tag der Tschernobyl-Kinder mit etwas Unangenehmem: Zahnarzt-Untersuchung! Doch das war schnell überstanden, und mit Absicht gab es keinen festen Plan – denn die Kinder sollten erstmal ankommen. „Sie kommen aus der ganzen Ukraine und kennen sich nicht, so haben sie Zeit und Ruhe, um sich einzugewöhnen“, sagte Eberhardine Seelig. Ab heute beginnen die kostenlosen Behandlungen bei acht Zahnärzten, und zur „Belohnung“ geht es ab in den Tierpark.

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