Anhänger kommen auf die Schiene

Auf der Luftaufnahme ist das geplante   Gelände des Kombiverkehrsterminals farbig markiert.  In der Mitte erkennt man die Max-Johannsen-Brücke, die Zufahrt zum Terminal erfolgt über die Brückenstraße (links). Unten ist der Lokschuppen zu erkennen, oben links die Eisenbahner-Kleingartenanlage. Foto: grafik: neg
Auf der Luftaufnahme ist das geplante Gelände des Kombiverkehrsterminals farbig markiert. In der Mitte erkennt man die Max-Johannsen-Brücke, die Zufahrt zum Terminal erfolgt über die Brückenstraße (links). Unten ist der Lokschuppen zu erkennen, oben links die Eisenbahner-Kleingartenanlage. Foto: grafik: neg

Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft will 2014 ein Kombiverkehrsterminal unter der Max-Johannsen-Brücke eröffnen

shz.de von
28. Juni 2013, 07:24 Uhr

neumünster | Die Stadt wird zu einem überregional bedeutenden Güterverkehrszentrum. Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll (NEG) hat unter der Max-Johannsen-Brücke und auf den angrenzenden Arealen Gleise von der Deutschen Bahn gekauft und Flächen gepachtet. Dort soll bis Juni kommenden Jahres neben einem neuen Massengut-Terminal auch ein so genannter Kombiverkehrsterminal entstehen - eine Art Güterbahnhof, an dem vor allem Sattelauflieger von Lkw, aber auch Container und Waren ver- und abgeladen werden können.

Geplant ist, dass bereits in einem Jahr sechs Mal die Woche von hier aus Güterzüge in Richtung Ruhrgebiet und Hessen rollen, erklärt NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald-Kehrer. Konkret sollen von sonntags bis freitags die Städte Frankfurt/Main und Herne mit Nachtfahrten angesteuert werden. Die Investitionssumme liege im ersten Schritt bei rund 1,5 Millionen Euro; davon werde rund 80 Prozent der Bund übernehmen. Mindestens zehn neue Arbeitsplätze sind alleine bei der NEG geplant, aber durch die Ansiedlung von Logistikunternehmen in der näheren Umgebung sollen weitere Stellen hinzukommen.

Die grundlegende Infrastruktur für das Terminal ist bereits vorhanden, denn schon heute werden Dewald-Kehrers Angaben zufolge jährlich 100 000 Tonnen pro Jahr in Neumünster auf die Bahn umgeschlagen, vor allem Düngemittel, Baustoffe und Holz. Der Diplom-Ingenieur sieht aber noch viel mehr Potenzial. Er will den Umschlag stufenweise erst um rund 250 000, später um weitere 500 000 Tonnen pro Jahr hochfahren. Derzeit liege der Anteil der Güter, die in Schleswig-Holstein von der Straße auf die Schiene verlagert werden, gerade einmal bei drei bis fünf Prozent. Das sei ausbaufähig. "Eine Anfrage an die Logistik-Unternehmen in der Region hat gezeigt, dass ein Kombiverkehrsterminal in Neumünster von der Branche gewünscht wird", sagt er.

Dewald-Kehrer hofft, bis Ende des Jahres das Baurecht zu haben. Dann könnte es zügig vorangehen, weil weder Gebäude noch Kräne errichtet werden müssen. "Es geht darum, Flächen als Lkw-Stellplätze zu befestigen und für die Entwässerung zu sorgen", erklärt Bernd Heilmann vom Fachdienst Stadtplanung, der das Projekt bei der Stadt begleitet. Geplant sind zwei größere und mehrere kleinere Versickerungsmulden. Das Verladen sollen sogenannte Reach-Stacker übernehmen. Das sind Fahrzeuge, die zum Stapeln und Umschlagen von Containern und Wechselbrücken dienen und bis zu 50 Tonnen heben können. Das Terminal sei Teil der Messe-Achse, einem der wichtigsten Entwicklungsbereiche der Stadt, so Heilmann. Von einem "Alleinstellungsmerkmal für Neumünster" spricht Guido Schwartze, Chef der Wirtschaftsagentur. Nirgendwo sonst im Land gebe es eine derartige Infrastruktur.

Eine neue "rollende Landstraße" (siehe Infokasten) werde das Terminal aber nicht, stellt Ingo Dewald-Kehrer klar. Das könne sich heute angesichts fehlender Arbeitskräfte kaum ein Spediteur leisten. Ein vergleichbares Terminal gibt es in Schleswig-Holstein bisher lediglich in Kiel. Größere Güter-Verladestationen sind in Padborg (Dänemark) und Hamburg-Maschen.

Rollende Landstraße
Die "Rollende Landstraße"(Ro-La) bezeichnet ein Transportsystem, bei dem komplette Lastwagen oder Sattelzüge auf einem speziellen Zug per Bahn befördert werden. Auch die Fahrer reisen in Sitz- oder Liegewagen mit. Bis Anfang der 90er- Jahre war Neumünster Startpunkt für eine Ro-La. Heute gilt das System oft als zu kosten- und personalintensiv.

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