Neumünster : Angst vor Organspende bleibt groß

Für Transplantationen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
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Für Transplantationen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Morgen ist bundesweiter Aktionstag. Im FEK gibt es ein strenges Verfahren für die Transplantation.

shz.de von
01. Juni 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Organspende oder nicht? Es dürfte eine der schwersten Fragen sein, die Angehörige im Falle des Hirntodes eines Patienten beantworten müssen. Am einfachsten ist es, wenn die Patienten diese Entscheidung bereits vorher selbst durch einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung getroffen haben. Darauf macht der Tag der Organspende aufmerksam, der morgen bundesweit stattfindet.

„Rund ein Dutzend Gespräche mit Angehörigen und durchschnittlich zwischen zwei und vier Organentnahmen haben wir pro Jahr“, erklärt Lutz Schilling, Oberarzt der Anästhesie. Er und der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, Holger Brammer, sind die beiden Transplantationsbeauftragten des Friedrich-Ebert-Krankenhauses. Die Zahl der Organspender sinkt seit Jahren. Nur noch rund 800 Transplantationen können jährlich durchgeführt werden. „Viele Menschen haben immer noch Angst, sich einen Ausweis ausstellen zu lassen oder eine Entscheidung für die Transplantation zu fällen, dabei ist der irreversible Hirnfunktionsausfall eine der sichersten Diagnosen, die man stellen kann“, sagt der Experte. Voraussetzungen für eine mögliche Entnahme sind nämlich, dass der Patient zweifelsfrei hirntot ist, nicht unter Narkose oder Schmerzmitteln steht, künstlich beatmet wird und keinerlei Reflexe mehr zeigt. „Die Diagnose wird außerdem immer von zwei Ärzten gestellt, einer davon ist stets aus dem Fachgebiet der Neurologie“, erläutert Schilling. Die Transplantationsbeauftragten überwachen, ob das Prozedere korrekt läuft. „Jeder Eingriff ist eine Einzelfallentscheidung.“ Menschen mit einer schweren Blutvergiftung oder Tumoren sind meist als Organspender ausgeschlossen, Altersgrenzen gebe es aber nicht.

Transplantiert wird im FEK nicht, aber die Organe werden vor Ort von einem Entnahme-Team von den Blutgefäßen getrennt und präpariert, damit sie per Helikopter zu dem Organempfänger transportiert werden können. „Bei einem Herz bleibt zum Beispiel eine Zeit von vier Stunden, bis es wieder eingesetzt und durchblutet sein muss. Da kommen die Spezialisten, die die Transplantation vornehmen, selbst und fliegen mit dem Organ zurück.“

Für Angehörige sei diese Entscheidung sehr schwer, vor allem, wenn sie plötzlich vor der Situation stehen und der Schock tief sitzt. „Wir versuchen in einer vertrauensvollen Atmosphäre so früh wie möglich Gespräche zu führen, um herauszubekommen, was der Wille des Patienten gewesen wäre, wenn dieser es selbst zu entscheiden hätte“, so Schilling. Wichtig sei dabei, dass die Angehörigen in den letzten zwei Jahren engen Kontakt zu dem Patienten hatten. „Auch das unterliegt strengen Vorgaben“, sagt der Anästhesist.

Während in Deutschland explizit einer Organentnahme zugestimmt werden muss, läuft es zum Beispiel in Spanien andersherum, dort muss ausdrücklich widersprochen werden. „Das sehe ich aber ambivalent. Zwar hat man dann mehr Organspenden, aber ich bin sicher, dass auch die Zustimmungsvariante klappt“, so Lutz Schilling. Da seien aber auch die Krankenkassen gefragt, zum Beispiel sei es eine Hilfe, wenn die Organspende-Frage auf der Gesundheitskarte gespeichert würde.

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