Masern : Angst vor neuer Krankheits-Welle

Anke Böge (links) weiß um die Gefahr der Masern und ließ sich deshalb gestern bei Dr. Sabine Grunow im FEK impfen.
Anke Böge (links) weiß um die Gefahr der Masern und ließ sich deshalb gestern bei Dr. Sabine Grunow im FEK impfen.

Gesundheitsamt und FEK raten allen Neumünsteranern dringend zur Impfung. Hoch infektiöse Krankheit kann lebensbedrohlich sein.

shz.de von
08. Januar 2015, 12:00 Uhr

Neumünster | Eine Stunde im selben Raum reicht schon aus. „Wer 60 Minuten mit einem Masern-Infizierten zusammen und nicht geimpft oder immun ist, bekommt mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die Krankheit auch“, sagt Dr. Sabine Grunow, Betriebsärztin im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK). Susanne Jessen, im Gesundheitsamt zuständig für den Infektionsschutz, pflichtet ihr bei: „Das ist hochansteckend.“ Beide warnen vor einer neuen Masern-Welle und empfehlen den Bürgern dringend eine Impfung.

Denn: „Die nötige Impf-Rate von 95 Prozent, um eine Verbreitung zu vermeiden, ist in Neumünster noch immer nicht erreicht“, sagt Susanne Jessen. Im vergangenen Jahr gab es in der Stadt ein halbes Dutzend gemeldeter Fälle, die zum Glück noch recht harmlos verliefen. Dabei können Masern auch lebensbedrohlich sein: Oft sind die Atemwege, Organe der Bauchhöhle sowie das Gehirn betroffen. Da diese Komplikationen direkt durch das Masernvirus verursacht sind und kein Medikament dagegen existiert, besteht die Therapie nur in der Behandlung der Symptome, gegebenenfalls in einer Operation. Das Tückische: Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwischen acht und zehn Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits fünf Tage vor Auftreten der ersten Ausschläge auf der Haut und hält bis zu vier Tagen danach an. Am Anfang ähneln die Symptome aber eher einer Erkältung und werden daher nicht immer gleich erkannt.

Sabine Grunow und Susanne Jessen sind sich einig: „Jeder, der nicht schon die Masern hatte und dadurch immun ist, sollte sich bei seinem Hausarzt impfen lassen.“ Nötig ist eine zweimalige Impfung als Kind oder eine einmalige Impfung als Erwachsener. Bei nach 1970 Geborenen zahlt das die Krankenkasse. Besonders den Menschen, die viel Kontakt mit Kindern oder älteren Menschen haben, empfehlen die Expertinnen den Schutz. Schnell können Masern sonst ganze Betriebe lahm legen, wie etwa Anfang 2010. Damals waren in der Kindertagesstätte Mäusenest an der Hauptstraße nur vier von zwölf Mitarbeitern geimpft. Die Kita musste daraufhin kurzzeitig schließen (der Courier berichtete).

Ebenfalls ratsam ist laut Sabine Grunow und Susanne Jessen die Grippe-Impfung. „Der Februar ist der Hochmonat der Grippe. Deshalb sollten sich vor allem Ältere und Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung in den nächsten Tagen beim Arzt noch einen Pieks abholen“, sagt Grunow.

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