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Bahnhofstrasse : Angeklagte schweigen zu dem Feuer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Drei der fünf Männer, die für die Brandstiftung an der Bahnhofstraße verantwortlich seien sollen, berichteten vor dem Landgericht aus ihrem Leben.

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erstellt am 05.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Neumünster | Zu den Vorwürfen schwiegen die fünf Angeklagten gestern beharrlich. Drei der Männer im Alter zwischen 31 und 70 Jahren, die sich zurzeit vor dem Kieler Landgericht wegen der Brandstiftung an der Bahnhofstraße 40 verantworten müssen, machten jedoch detaillierte Angaben zu ihrer Person. Lediglich die beiden Halbbrüder (31 und 37), die die Staatsanwaltschaft für die eigentlichen Brandstifter hält, machten am zweiten Verhandlungstag noch keinerlei Angaben zu ihrem bisherigen Lebensweg.

Laut Anklage sollen die beiden im Auftrag des finanziell stark angeschlagenen Hausbesitzers (32) in der Nacht zum 15. September vergangenen Jahres in dem Mehrfamilienhaus an mehreren Stellen Feuer gelegt haben (der Courier berichtete). Zwei Bekannte, ein Gastwirt (70) und ein Kaufmann (38), sollen zuvor bei der Planung geholfen haben. Nach Auffassung der Ermittler ging es darum, die Versicherungssumme über 500 000 Euro zu kassieren.

Gestern berichtete der älteste Angeklagte, wie er nach seiner Verhaftung sein italienisches Restaurant in Neumünster, das er rund 40 Jahre geführt hatte, schließen musste. „Wegen der Verhaftung sackten die Umsätze ab. Ich versuchte, auf Kaution freizukommen. Doch alles wurde abgelehnt“, berichtete der Italiener traurig. Zuvor hatte er dem Gericht seinen bunten Lebensweg geschildert: Nach dem Gymnasium in Italien bekam er ein Stipendium, studierte und war später in diversen großen Hotels und Gaststätten in Deutschland tätig, oft in der Geschäftsführung. Über Bad Godesberg, Königswinter und Hamburg kam der dreifache Vater schließlich nach Neumünster. Dort arbeitete er erst als Angestellter in einer Pizzeria, bevor er 1975 sein eigenes Restaurant aufmachte.

Auch der mitangeklagte Kaufmann war bis zu seiner Inhaftierung als Selbstständiger tätig – „im Bereich Immobilien und Unternehmensberatung“. Nach der Schule machte er eine Ausbildung bei der Stadt Neumünster, arbeitete anschließend bei verschiedenen Ämtern und der Bundesanstalt für Arbeit, bis er in die Immobilienbranche wechselte.

Der Hausbesitzer ist ebenfalls Neumünsteraner. Er machte eine Maurerlehre, ein Fernstudium mit praktischem Teil im Außendienst und arbeitete im Vertrieb. Nach einer langwierigen Krankheit und schwerer Operation war er als Bauhelfer tätig.

Ob sich die fünf Angeklagten demnächst auch zu den Vorwürfen äußern werden, hängt unter anderem von einem sogenannten Verständigungsgespräch ab, das vor dem nächsten Verhandlungstag hinter verschlossenen Türen mit allen Prozessbeteiligten geführt werden soll. Ein Teil der Verteidigung hatte es angeregt, um „eine beschleunigte Beendigung des Verfahrens herbeizuführen.“

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