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Dr. Carl Naughton : Amüsante Reise zu den grauen Zellen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dr. Carl Naughton erklärte 280 Besuchern die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns und den „Autopiloten im Kopf“.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 08:30 Uhr

Neumünster | „Das ist ein Gehirn. Jeder hat eins dabei“, sagte Dr. Carl Naughton mit einem breiten Grinsen und zeigte auf die Animation des menschlichen Organs, die hinter ihm per Beamer an die Wand geworfen wurde. Als siebter Referent der achtteiligen Vortragsreihe sh:z-Wissensimpulse stand der promovierte Psychologe am Dienstagabend auf der Bühne der Stadthalle und klärte die 280 Gäste über den „Autopiloten im Kopf“ auf.

„Während wir denken, dass wir denken, denkt unser Gehirn, was es will. Es nutzt bekannte Denkmuster und manövriert uns mit Besorgnis erregender Zuverlässigkeit in Denkfallen“, so der Wissenschaftler, der mehr als acht Jahre an der Universität Köln arbeitete, um die zentralen Fähigkeiten des Gehirns – Neugier, Sprache, Denken – zu erforschen.

Unverständlich oder gar trocken war Naughtons anderthalbstündiger Vortrag, den er mit Videoclips, Schaubildern und kleinen Spielchen mit dem Publikum bereicherte, dabei nie. Zugute kam dem gebürtigen Engländer hier seine abgeschlossene Schauspielausbildung. Anschaulich beschrieb er die Wichtigkeit bestimmter Substanzen für die menschliche Denkfähigkeit: „Ohne Glucose geht das Denken in die Hose“, so Naughton. Mit dem Geist sei es wie mit dem Körper. Auch das Oberstübchen brauche Energie, und hier hätten sich Traubenzucker und Sauerkraut laut wissenschaftlicher Studien als besonders wirkungsvoll erwiesen. „Weißkohl macht schlau, aber eventuell auch einsam...“, brachte es Dr. Carl Naughton sehr zur Freude des Publikums auf eine einfache Formel.

„Wir erfassen die Welt in Kontexten. Je mehr Wissen wir ansammeln, umso schneller fällen wir Entscheidungen. Täglich zirka 200  000. Die meisten blitzschnell. Das beweist die Hirnforschung. Die wenigsten allerdings sind rational und ökonomisch, das belegt die Verhaltensökonomie“, sagte Carl Naughton. Und da unser Arbeitsgedächtnis wenig Kapazitäten habe, sei Energiesparen oberstes Gebot im Kopf, erklärte der Wissenschaftler. Die Folge: Das Gehirn schaltet auf Autopilot, nutzt Daumenregeln und Routinen, Gedanken und Entscheidungen enden in der Sackgasse.

„Hier muss man gute Entscheidungen anstupsen“, riet Naughton. Wenn es nicht weitergehe, solle man die Vergangenheitsbrille absetzen und nicht sein Wissen von gestern für die Entscheidungen von morgen recyclen. Als konkrete Methode nannte Dr. Carl Naughton den „mentalen Dreisprung“. Erstens: das Problem ein bis zwei Stunden diskutieren. Zweitens: das Problem 6 bis 24 Stunden vertagen. Und drittens: Zusammenkommen und intuitiv entscheiden. „Unser Gehirn klebt an jede Info ein Gefühl“, sagte der Wissenschaftler. „Emotionen haben bei Entscheidungen immer Vorfahrt.“ 


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