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Amtsgericht: 15 Stunden Sozialarbeit für einen Tritt gegen die Laterne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 15:15 Uhr

War es die pure „Freude an der Zerstörung“, wie die Staatsanwältin meinte, oder schlichter Forscherdrang, wie sich der junge Angeklagte vorübergehend verteidigte? Egal: Weil ein 19-jähriger Auszubildender während einer abendlichen Spritztour unter Freunden eine Straßenlaterne mit einem kräftigen Tritt zerstört hatte, verurteilte ihn das Jugendgericht jetzt zu 15 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

War dem jungen Mann bei seiner Vernehmung vor der Polizei noch keine Ausrede eingefallen, so fand er vor dem Richter immerhin eine ansatzweise Erklärung für den derben Tritt – wenn auch keine besonders schlaue, wie sich schnell herausstellte: „Die großen Laternen gehen immer nach 15 Minuten wieder an. Wir wollten einfach mal wissen, ob das bei den kleinen auch so ist“, meinte der Angeklagte sehr schlau. Auf die postwendende Gegenfrage des Richters, woher er das denn so genau wisse, blieb er die Antwort aber doch lieber schuldig.

Immerhin räumte der junge Rowdy den Tritt gegen die Laterne ein („Das stimmt!“), so dass sich das Gericht im weiteren Verlauf der Verhandlung darauf konzentrieren konnte, wie es bei dem Angeklagten am ehesten Eindruck erzielen könne.

Mit Geldstrafen, das wurde dem Gericht schnell klar, würde es dem Jugendlichen kaum beikommen, zumal ihn aus früheren Verfahren bereits Geldstrafen drücken, er als Azubi ohnehin nicht über große Reserven verfügt und auch der Schadensersatz für die zerstörte Laterne noch auf ihn zukommen dürfte.

Das Gericht bescheinigte dem 19-Jährigen, der zum Tatzeitpunkt noch 18 war, eine „unreife Persönlichkeit“, aber wegen seiner Ausbildung auch eine gute Sozialprognose. Darum verurteilte es ihn nach dem Jugendstrafrecht zu 15 Stunden Sozialarbeit.

Als kostenlose Beigabe gab es eine wohlwollende Mahnung vom Richter: „Wir möchten Sie hier nicht wiedersehen!“

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