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Kampf um Arbeitsplätze : Amcor: Klage gegen Schließung?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Offenbar wurde der Betriebsrat nicht über die Schließung des Werkes in Einfeld informiert. Eine einstweilige Verfügung soll einem Produktionsstopp entgegenwirken.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Neumünster | Die geplante Schließung der Firma Amcor Tobacco Packaging am Hüttenkamp in Einfeld könnte schon bald den Europäischen Gerichtshof beschäftigen. Nach Courier-Informationen prüft der europäische Betriebsrat des weltweit tätigen Verpackungskonzerns eine Klage wegen Verstoßes gegen das europäische Betriebsrätegesetz. Demnach habe Amcor es versäumt, die Arbeitnehmervertretung rechtzeitig über die Schließung des Standortes Neumünster zu informieren. Die entsprechende Sitzung soll erst heute stattfinden.

Vor wenigen Wochen hatte der Konzern angekündigt, sein Werk am Hüttenkamp 12, das Zigarettenschachteln herstellt, zum Jahresende zu schließen und die Produktion nach Polen zu verlagern. Den 60 Mitarbeitern wurde gekündigt (der Courier berichtete). Einen Betriebsrat vor Ort gibt es nicht. „Die Stimmung ist niedergeschlagen. Wir fühlen uns hintergangen, denn wir haben jahrelang gute Arbeit geleistet. Das Werk läuft profitabel, wirft Gewinne ab“, sagt ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte. Ein anderer vermutet, der Standort Neumünster sei bewusst gewählt worden, gerade weil es dort keinen Betriebsrat gibt. Fest steht, dass der europäische Betriebsrat von Amcor im baden-württembergischen Teningen bereits eine einstweilige Verfügung beim zuständigen Arbeitsgericht in Radolfzell gegen die Einstellung der Produktion gestellt hat. Das Verfahren läuft. Die Mitarbeiter sollen nach Courier-Informationen auch das Kieler Wirtschaftsministerium um Hilfe gebeten haben.

Die Neuregelungen des Europäischen Betriebsräte-Gesetzes sind am 18. Juni 2011 in Kraft getreten. Damit wurde das Recht der Arbeitnehmer auf Unterrichtung und Anhörung in grenzübergreifenden Angelegenheiten gestärkt. Das Gesetz setzt die neugefasste EU-Richtlinie über Europäische Betriebsräte um. Wesentlicher Bestandteil der Neuregelungen ist die rechtzeitige Information und Anhörung des Europäischen Betriebsrats über geplante Maßnahmen des Unternehmens, die die Arbeitnehmer betreffen, wie zum Beispiel Umstrukturierungen oder Schließungen. Damit soll sichergestellt werden, dass auch in europaweit tätigen Unternehmen die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigt werden und in die Entscheidungsfindung im Unternehmen einfließen.

Weder die europäische Zentrale noch der Betriebsrat von Amcor im baden-württembergischen Teningen wollten sich auf Courier-Anfrage äußern.

 

Kommentar:

Hauptsache der Gewinn stimmt

Je größer das Unternehmen, desto anonymer und vor allem desto unwichtiger wird der einzelne Mitarbeiter. Was kümmert es die Konzernbosse in Australien oder in den USA, ob in Neumünster 60 Mitarbeiter arbeitslos werden und nicht mehr wissen, wie sie ihre Familien ernähren sollen? Hauptsache der Gewinn stimmt. So wurde in derselben Pressemitteilung, in der am Ende die Schließung des Werkes in Einfeld vermerkt war, auch die Neueröffnung eines großen Werkes in Indonesien gefeiert. Wie viel die Leute dort unter welchen Bedingungen verdienen, braucht hier nicht erwähnt werden.

Neumünster?  Ein kleines Werk. Gut, es mag laufen, die Mitarbeiter mögen seit Jahren mit Engagement dabei sein und für Gewinne sorgen. Aber in Polen gibt es vielleicht die gleiche Leistung viel billiger. Gut, dass kein Betriebsrat vor Ort ist! Der europäische Betriebsrat wurde gar nicht erst informiert, die Pressemitteilung erschien, als alle Vertreter des Gremiums Urlaub hatten. So ist das heute. Der einzelne Arbeiter zählt nicht mehr.


 

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