Neumünster : Ambitionierter Kampf gegen Aids

Anna Struve  ist als Teilzeitkraft bei der Aids-Hilfe beschäftigt.
Anna Struve ist als Teilzeitkraft bei der Aids-Hilfe beschäftigt.

Aids-Hilfe will Ende der Immunschwächekrankheit bis 2020 erreichen.

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16. März 2018, 17:00 Uhr

Neumünster | Die Zahl der HIV-Infizierten in Neumünster ist nicht sehr hoch. „Betroffene haben aber große Scheu, zur Beratung zu kommen, in der irrigen Annahme, dann wüsste gleich die ganze Stadt Bescheid“, sagte Anna Struve von der Aids-Hilfe Neumünster am Mittwoch im Sozial- und Gesundheitsausschuss.

Sie warb gemeinsam mit Bernd Facklam vom Kompetenznetz Aids in Schleswig-Holstein und Neumünsters Aids-Hilfe-Vorständen Angela Stelling und Lothar Rucht um politische Unterstützung für die Kampagne „Kein Aids für alle bis 2020“. Bis zu diesem Jahr – und damit ein Jahrzehnt früher als die Vereinten Nationen – will die deutsche Aids-Hilfe die tückische Immunschwächekrankheit Aids beenden.

Das sei ambitioniert, aber machbar, so die Experten, die für ein „neues Bild von HIV und Aids“ warben. Man müsse deutlich unterscheiden, HIV müsse nicht zwingend zu Aids führen. Facklam: „Ein positiver Test ist nicht mehr das Todesurteil.“ Bei einer HIV-Früherkennung sei eine Behandlung und ein relativ normales Leben möglich.

Ganz wichtig sei die Rolle der Hausärzte. Facklam: „Lieber ein HIV-Test mehr als einer zu wenig.“ Die Kassen tragen die Kosten, es gibt den Test auch anonym für 5,10 Euro beim Fachdienst Gesundheit, erfuhr der Ausschuss von Dr. Maria Schmidt, die dort die Aids-Beratung anbietet.

In Schleswig-Holstein gebe es laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 330 Menschen, die das HI-Virus tragen, davon aber nichts wüssten. Das Ziel der weltweiten Kampagne laute 90 – 90 – 90. Soll heißen: 90 Prozent der HIV-Infizierten sollen getestet sein, 90 Prozent der Diagnostizierten behandelt werden und 90 Prozent der Behandelten wiederum eine Virus-Last unterhalb der Nachweisgrenze haben. Facklam: „Wir haben vor das 90-90-90-Ziel noch die Null gesetzt – Null-Diskriminierung.“ Diakonie-Chef Heinrich Deicke erfuhr auf Nachfrage, dass es auch in Neumünster noch alte Zerrbilder gebe. HIV-Infizierte hätten Probleme, Pflegedienstpersonal zu finden, das bereit sei, sie zu pflegen. Probleme hat auch die Aids-Hilfe Neumünster am Großflecken 50. Finanziell und personell arbeitet sie seit Jahren am Limit und sucht händeringend weitere ehrenamtliche Mitstreiter.

www.aids-hilfe.neumuenster.de

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