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Trauerfeiern : Am Wochenende bleibt die Friedhofskapelle zu

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Neumünster sind kirchliche Trauerfeiern grundsätzlich nur montags bis freitags möglich. Propst Stefan Block: „Begründete Ausnahmen sind möglich.“

Neumünster | Eberhard Fischer ist traurig: Am 15. Februar verlor seine Tochter Mareile ihren Kampf gegen den Krebs. Sie starb mit nur 30 Jahren und hinterlässt einen fünfjährigen Sohn. Und Eberhard Fischer ist verbittert: Eine kirchliche Trauerfeier am Sonnabend in der Auferstehungskapelle war nicht möglich. Sonnabends wird in Neumünster nicht beerdigt.

„Wir haben die Trauerfeier aber bewusst für einen Sonnabend geplant, weil sonst viele Arbeitskollegen von OTN und aus der Wahlstedter Wald-Apotheke nicht hätten Abschied nehmen können“, sagt Fischer. Die Familie engagierte darum einen privaten Redner und wich in die Trauerhalle des Bestattungsinstituts Selck aus. Doch die ist nur für bis zu 100 Besucher ausgelegt, ein Teil der mehr als 150 Trauergäste musste deshalb im Vorraum stehen.

Von Pastorin Katja Engelhard erfuhr Fischer im Vorgespräch, dass Trauerfeiern in Neumünster an einem Sonnabend grundsätzlich nicht möglich seien und die Kapelle am Südfriedhof an diesem Tag nicht geöffnet werde. Verstehen kann Fischer das nicht. „In anderen Gemeinden und anderen Bundesländern ist der Sonnabend kein Thema“, so Fischer. Er könne auch verstehen, wenn für diesen Tag Extra-Zuschläge fällig würden. Fischer: „Ich dachte, dass die Kirche für ihre Mitglieder da ist, aber nicht nur von Montag bis Freitag.“ Die Familie hat ihre Konsequenzen gezogen und ist aus der Kirche ausgetreten.

Propst Stefan Block bedauert das sehr. In seiner 13-jährigen Amtszeit sei ihm noch kein derartiger Konfliktfall bekannt geworden. Pastorin Katja Engelhard hatte absagen müssen, weil sie am Sonnabend zwei Gottesdienste vorbereiten musste. Siehatte aber Alternativen gesucht und angeboten, etwa einen Termin am späten Freitagnachmittag. Katja Engelhard „Es schmerzt, dass wir nicht zusammen gekommen sind.“

Block: „Es gibt in Neumünster tatsächlich eine Regel bei den Friedhöfen des Kirchengemeindeverbandes, dass am Sonnabend keine Trauerfeiern stattfinden.“ Es gehe dabei nicht um eine Rücksichtnahme auf die Pastoren, die sonnabends durch die Vorbereitung des Gottesdienstes stark in Anspruch genommen seien. „Es geht um schlichte Arbeitsvertragsregeln der Mitarbeiter auf dem Friedhof. Das hat etwas mit Mitarbeiterschutz zu tun. Es mag sein, dass das bei anderen Friedhöfen anders ist“, sagte Block.

Die Pastoren halten es auch so und machen am Sonnabend keine Trauerfeiern(und am Sonntag selbstverständlich auch nicht). Aber keine Regel ohne Ausnahme: „Wenn es ein echtes seelsorgerisches Problem gibt, ist die Pastorenschaft auch bereit, mal eine Ausnahme zu machen“, sagt Propst Block. Die Kapelle stehe aber nicht bereit; eine Trauergemeinde müsste in eine Kirche oder eine Trauerhalle ausweichen. Block: „Wir möchten den Sonnabend nicht generell freigeben.“

Bestatter Klaus Selck kann das verstehen. „Wir machen das auch nur im Ausnahmefall und bieten das nicht offensiv an“, sagt er. „Wenn Trauerfeiern offiziell am Sonnabend möglich werden, dann wollen das mehr Menschen nutzen, und das kann organisatorische Probleme bereiten.“

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erstellt am 27.Feb.2014 | 04:00 Uhr

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