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Baumassnahmen : Am Einfelder See wird es barrierefreier

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sechs Behindertenparkplätze sind ausgeschildert. Vom Parkplatz Schanze aus soll es eine Rampe zum See hinunter geben

Die Bemühungen des Stadtteilbeirats Einfeld und des Behindertenbeauftragten Hartmut Florian um mehr Barrierefreiheit am Einfelder See tragen langsam Früchte: Die Stadt hat jetzt sechs Behindertenparkplätze eingerichtet. Jeweils zwei sind im Norden der Einfelder Schanze sowie beim Segel- und beim Kanu-Club. Mitarbeiter des Technischen Betriebszentrums haben zudem einen völlig zugewachsenen Abgang vom Schanze-Parkplatz vom Gestrüpp freigeschnitten.

Hier soll auf dem alten Pfad eine barrierefreie Rampe hinunter zum See entstehen. „Zurzeit sind wir in der Entwurfsplanung“, erklärte Michael Muszeika vom Fachdienst Grünflächen. Er rechnet damit, dass der Weg nach der Ausschreibung im Sommer hergestellt werden kann. Muszeika: „Barrierefrei – das ist gefordert und auch zu schaffen.“ Ob die Rampe behindertengerecht gebaut werden kann, sodass Rollstuhlfahrer die Steigung auch ohne fremde Hilfe meistern können, müsse geprüft werden. „Wir versuchen das natürlich“, sagte Muszeika. Eine Idee sei, einen Aussichtsbereich mit Bänken zu schaffen, die zu einer Pause einladen.

Auch bei den drei Toilettenanlagen am See tut sich etwas. Die Verwaltung prüft auf Veranlassung des Bauausschusses zurzeit Alternativen zur Komplettsanierung aller drei WC. Die kostet nach Berechnungen der Fachleute etwa 210 000 Euro und ist damit vielen Kommunalpolitikern, aber auch Bürgern schlicht zu teuer (der Courier berichtete). „Eine Alternative wäre, zunächst nur ein WC zu sanieren. Eine andere ist der Abriss und Neubau einer Anlage“, sagte Berthold Heitker von der Hochbauabteilung der Stadt.

Der Behindertenbeauftragte Hartmut Florian rechnet anders und möchte mit einem Missverständnis aufräumen. „Von den 210  000 Euro, die durch die Debatte geistern, entfallen nach dem Architektenentwurf nur 64  000 Euro auf den barrierefreien Ausbau aller drei WC-Anlagen“, so Florian. Die Differenz sei der Nachholbedarf für die unterbliebene bauliche Unterhaltung.

Florian: „ Wir hatten ursprünglich die naive Vorstellung, dass es ausreicht, einen Lagerraum umzubauen und so Platz für ein Behinderten-WC zu schaffen.“ Von seiner Forderung, alle drei Toilettenanlagen am See behindertengerecht herzurichten, rückt Florian nicht ab: „Im Vergleich mit anderen Baumaßnahmen sind das Peanuts.“

Einfelds Stadtteilvorsteher Sven Radestock könnte sich auch vorstellen, „erstmal eine WC-Anlage umzubauen, damit schnell etwas passiert“. Im Grunde aber ist er froh über die Hartnäckigkeit des Behindertenbeauftragten Hartmut Florian. „Es kann nicht sein, dass man als Behinderter einen Klappspaten mit zum See nehmen muss“, sagte Radestock. Lob finden die Ausweisung der Parkplätze und die Pläne für die Rampe zum See. „Damit hätten wir schon ordentlich etwas erreicht“, sagte Radestock.

Standpunkt

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit

Neumünsters Behindertenbeauftragter Hartmut Florian hat völlig Recht, wenn er den barrierefreien Zugang zu einem Naherholungsgebiet wie dem Einfelder See einfordert. Mit den Behindertenparkplätzen und der Reaktivierung eines alten Abgangs ist das auch relativ einfach und kostengünstig machbar. Die Stadt ist hier auf dem richtigen Weg.

Schwerer tun sich die Experten im Streit um behindertengerechte Toiletten am See. Auch hier rückt der Behindertenbeauftragte die Relationen zurecht. 64 000 Euro  für drei Behinderten-WC sind  im Vergleich kleine Beträge. Die Ausstattung des Stadthauses mit einem Aufzug und einer Rampe hat 440000 Euro gekostet. Die Öffnung der Schleusau am Museum kostet sogar 1,2 Millionen Euro. Wenn Neumünster seine Selbstverpflichtung aus der Erklärung von Barcelona ernst nimmt und Barrieren für Behinderte abbauen will, sind entsprechende Toiletten  am Einfelder See eine Selbstverständlichkeit.


 

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erstellt am 30.Mär.2016 | 07:30 Uhr

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