Diamantene Hochzeit : Am Anfang war eine Zuckerstange

„Man muss sich immer wieder vertragen und sich gegenseitig respektieren“: Das sagen Martha (84) und Klaus Dieter Frauen (84) nach 60 gemeinsamen Jahren.
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„Man muss sich immer wieder vertragen und sich gegenseitig respektieren“: Das sagen Martha (84) und Klaus Dieter Frauen (84) nach 60 gemeinsamen Jahren.

Martha und Klaus Dieter Frauen aus Faldera feiern morgen das seltene Fest der diamantenen Hochzeit / Auf dem Jahrmarkt spendierte er ihr damals Süßes

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25. Juli 2015, 13:00 Uhr

Neumünster | Sie kannten sich schon vom Sehen, aber so richtig aufmerksam aufeinander wurden Klaus Dieter Frauen und Martha Grosse gegen Ende der Schulzeit in Elmshorn – auf dem Jahrmarkt beim Pferdekarussell. „Ich habe ihr eine Zuckerstange ausgegeben. Damals gab es nach dem Krieg Zuckermarken“, erinnert sich der heute 84-Jährige. Das war 1945. Sie verloren sich ein wenig aus den Augen, aber gegen Ende der Schulzeit – 1949 – trafen sie wieder aufeinander. Eine Zuneigung entstand, die langsam, aber stetig wuchs: 1953 verlobten sie sich, 1955 wurde geheiratet – und morgen feiert das Paar, das am Stormweg in Gadeland lebt, das seltene Fest der diamantenen Hochzeit.

Martha Grosse (84) war gebürtige Hamburgerin und war damals erst vor Kurzem nach Elmshorn gezogen. „Sie hatte schicke schwarze Haare“, erinnert er sich. Damals gab es noch reine Mädchen- und Jungsschulen – er ging auf die Bismarckschule, sie aufs Lyzeum, und dazwischen war eine Allee, auf der sie sich – unerlaubterweise – auch mal trafen. Nach der Hochzeit lebten sie erst ein Jahr im Dachgeschoss bei ihren Eltern, dann bezogen sie die erste Wohnung an der Falderastraße. Klaus Dieter Frauen lernte Elektriker, studierte und arbeitete als Elektro-Ingenieur; sie war gelernte Zahnarzthelferin und verdiente das erste Geld, wie er sich schmunzelnd erinnert. Dann kündigte sich Nachwuchs an: Sohn Michael kam 1958 zur Welt, 1965 folgte Sohn Kay. Mit zwei kleinen Kindern packte das Paar das nächste Projekt an: 1969 baute er mit viel Eigenleistung und dem Kontakt zu Handwerkern das Haus am Stormweg, in dem das Paar auch heute noch lebt – auch wenn beide inzwischen viel von der Welt gesehen haben.

Denn während Sohn Kay in Bad Hersfeld lebt, verschlug es Sohn Michael (57) nach Hongkong, Tokio und schließlich nach Südafrika; er ist in der Tourismusbranche tätig. Seine Eltern besuchten ihn. Da Klaus Dieters Schwester in New York lebt, unternahmen er und seine Frau auch diverse Reisen in die USA, waren in Florida, Washington, bestaunten den Grand Canyon und die Niagara-Fälle. „Landschaftlich ist die Erde ein schöner Planet“, sind sie sich einig. Beim Rückblick auf die vielen gemeinsamen Jahre ist für sie der gegenseitige Respekt wichtig. „Es gibt schon Höhen und Tiefen und Meinungsverschiedenheiten, aber man muss sich wieder vertragen“, sagt Martha Frauen, die „seine ruhige Art und seine Geduld“ schätzt. „Man akzeptiert sich gegenseitig, wie man ist“, sagt Klaus Dieter Frauen ein wenig augenzwinkernd. Er ist seit 1971 Mitglied der Druiden-Loge Nygemünster.

14 Jahre arbeitete er bei der AEG, wechselte dann zu Brown, Boveri & Cie, einem Schweizer Elektrotechnik-Konzern mit Sitz in Baden, und war 22 Jahre im Außendienst tätig. 1990 ging er in Rente. Seine Frau arbeitete nach der Familienphase von 1978 bis 1994 bei Karstadt in der Schreibwaren-Abteilung und kennt halb Neumünster.

Zur diamantenen Hochzeit gratulieren die Kinder, aber auch die Enkel Saskia (26) und Naja (22) sowie Urenkel Paul-Jakob (10). Gefeiert wird mit Familie und Freunden. Das Paar hofft vor allem auf Gesundheit: „Wenn wir das Glück haben, noch ein paar Jahre hier gemeinsam zu verbringen, bin ich schon zufrieden, das wäre wunderschön“, sagt Martha Frauen, die inzwischen schlecht sehen kann. Er sagt mit seinem typisch trockenen Humor: „Es waren eigentlich alles gute Jahre. Die schlechten haben wir vergessen.“

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