zur Navigation springen

Boostedt : Am Anfang gab es den Soldaten gegenüber Vorbehalte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Etwa 35 Millionen Mark wurden investiert.

Boostedt | 57 Jahre war Boostedt Garnisionsgemeinde. Seit gestern ist das Geschichte. Als letzter formaler Akt wurde gestern die Bundesdienstflagge eingeholt. Als 2011 das Aus für den Standort Boostedt bekannt wurde, war die Entrüstung groß, dabei waren die Boostedter den Soldaten nicht von Anfang an wohlgesonnen.

Die Beziehung der Gemeinde Boostedt zum Militär hat eine lange Tradition. Bereits im Jahre 1776 entstand auf dem Bundeswehrgelände ein Übungsplatz für das „Nordische Leib-Regiment Reuter (Reiter) bey Neumünster“. Anfang des 20. Jahrhunderts diente das Gelände dem Infanterieregiment 163 des kaiserlichen deutschen Heeres mit dem Regimentskommandeur Oberst von dem Borne als Übungsplatz. Die Zufahrtsstraße zur Rantzau-Kaserne trägt heute noch seinen Namen.

Als Ende der 50er-Jahre die neu gegründete Bundeswehr nach Boostedt kam, wurde Boostedt 1958 Garnisonsgemeinde und Standort der Bundeswehr. Es handelte sich damals um die größte Bundeswehrbaustelle in der Bundesrepublik. Etwa 35 Millionen Mark wurden investiert in Unterkünfte, Wirtschaftsgebäude, eine Energiezentrale, Stabs-, Lehrsaal und Kammergebäude sowie Wasser-, Klär- und Heizwerke. „86 Wohnungen für verheiratete Soldaten wurden gebaut. Der Komplex wurde in seinem Baustil der ländlichen Umgebung angepasst“, heißt es in einem Text der Deutschen Presseagentur vom 28. März 1958.

Offenbar war die Gemeinde in die Planungen gar nicht einbezogen worden. In der Boostedter Chronik schreibt Karl Jaensch: „Die gesamte militärische Planung für Boostedt ging im wesentlichen ohne Unterrichtung und ohne Beteiligung der Gemeinde vor sich.“

Die Kasernengelände war zum großen Teil noch Baustelle, als die ersten Soldaten am 17. März 1958 einzogen. Die vielen Wehrpflichtigen und Soldaten sorgten für Unruhe im Dorf. In großer Sorge waren die Boostedter, was die Freizeitgestaltung der Männer angeht. „Die Frage der Freizeitgestaltung der Soldaten war für diese, aber auch für die zivilen Einwohner Boostedts von großer Bedeutung. Die Gemeinde hatte derzeit nur einige Gaststätten, die alle nicht den Anforderungen genügten“, schreibet Karl Jaensch und weiter: „Es traten Unzuträglichkeiten auf, auf die hier nicht weiter eingegangen werden sollte.“ Die Panzerbrigade 18 Holstein spricht auf ihrer Internetseite sogar von „gewalttätigen Übergriffen, die erst nach diversen Veranstaltungen der Bundeswehr abgebaut werden konnten“. Als 51 Jahre später das Aus für die Kaserne kommt und klar ist, dass die 2000 Soldaten nach und nach bis 2015 abgezogen werden, ist die Stimmung ganz anders. Die Soldaten sind längst ein Teil Boostedts geworden. Der damalige Bürgermeister Rüdiger Steffensen (CDU) ist schwer enttäuscht: „Wir hatten mit Einschnitten gerechnet. Aber dass es so hart kommen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten.“

Auch wenn Boostedt keine Kaserne mehr hat, bleibt es Bundeswehr-Standort, denn es gibt noch das Munitionslager zwischen Boostedt und Freiweide. Dort arbeiten 40 Menschen.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen