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Holsteinischer Courier

17. August 2017 | 00:06 Uhr

Altes Liedgut aus jungen Kehlen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Platt Live!“ in der Werkhalle entwickelt sich zum Publikumsmagneten / Mischung von Musik und Wortbeiträgen kam gut an

„Ausverkauft!“. Die kurze Mitteilung schmückt inzwischen viele Veranstaltungen des Kunstfleckens kurz nachdem der Kartenverkauf begonnen hat. Bei „Platt Live!“ gab es in den vergangenen sechs Jahren, so lange steht das plattdeutsche Musikfest von NDR 1 Welle Nord bereits auf dem Programm des Kulturfestivals, immer noch Restkarten. Nun, im siebenten Jahr hieß es auch bei „Platt Live!“: „ausverkauft.“

Ein Blick auf die Künstlerliste verrät den Grund. Neben Hennu, Geppi, Malte und Frerk von der Kieler A-cappella-Gruppe „nur wir“ standen „Blowm & Maddin und de Maudefaades“ mit plattdeutschem Hip-Hop auf der Bühne. „Hip-Hop hat seine Wurzeln im Pattdeutschen“, verrieten die Rapper dem Publikum und stimmten zum Beweis ihren derben Song „Min Oma secht Jo!“ an.

Die vier leidenschaftlichen Sänger von „nur wir“ bestritten am Mittwochabend ihren ersten rein plattdeutschen Auftritt. Kaum einer der 320 Gäste hätte sich vorstellen können, dass „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder die Vertonung des Klaus-Groth-Gedichtes „Ick wull wi weern noch kleen Jehann“ in modernem Gewand und aus jungen Kehlen gesungen so schön klingen können. „nur wir“ belehrten sie eines besseren. „Ihr seid toll“, rief eine Zuschauerin den vier Jungs nach dem Auftritt zu.

Die Ostfriesin Annie Heger hatte zwei Freundinnen aus ihrer Wahlheimat Berlin dabei. Als Damentrio „Sweet Sugar Swing“ schäkerten sie, stilecht in Pettycoats gekleidet, swingend mit dem Publikum. Ganz anders: Jenny Johannsen. Die Hamburgerin braucht ausschließlich plattdeutschen Jazz, um das
Publikum gemeinsam mit ihrem „Magnolia Acoustic Trio“ zu begeistern. Auch das Trio verzichtet gänzlich auf Showeffekte und elektronische Verstärkung,
arrangiert dafür lieber bekannte Lieder neu und versetzt sie mit feinen
Prisen Jazz und Bossa Nova. Jenny
Johannsens Version von Nenas Popsong „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“
gehörte zu den Höhepunkten des Abends.

Soweit zu den musikalischen Beiträgen. Aber „Platt Live!“ wäre nicht „Platt Live!“ ohne einen gesprochenen Beitrag, und der kam in diesem von niemand Geringerem als der Klappmaulpuppe Werner Momsen alias Detlef Wutschik. Auf typisch norddeutsch karge Art monologisierte Momsen zu den kleinen und großen Problemen des Lebens. Plattdeutsche seien einfach entspannter, in Norddeutschland freue man sich „inwendig“, meinte er lapidar, und zur Weltwirtschaftskrise müsse ein „Nützt ja nix!“ als Lösungsansatz reichen. Das Publikum amüsierte sich köstlich.

Die Programmgestalter rund um Andreas Schmidt vom NDR stellten am Mittwochabend einmal mehr die Vielfalt plattdeutscher Kultur unter Beweis. Auf die groß angekündigte „Weltpremiere“ der plattdeutschen Version vom Schleswig-Holstein-Song gemeinsam mit Publikum und Künstlern als Abschluss des Konzertes hätten sie verzichten können.
 

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erstellt am 27.Sep.2015 | 11:28 Uhr

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