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Gerichtsbericht : Altenpflegerin wegen Diebstahls vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine 41-jährige Neumünsteranerin wurde zu einer Geldstrafe über 1350 Euro verurteilt. Sie soll Anfang des Jahres in eine sogenannte Diebesfalle getappt sein, nachdem es bei dem Pflegedienst, für den sie arbeitete, immer wieder zu Diebstählen gekommen war.

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erstellt am 03.Dez.2013 | 05:30 Uhr

Immer wieder verschwanden im Winter vergangenen Jahres Geld, Schmuck oder andere Wertsachen aus den Wohnungen und Zimmern der alten Leute, die von einem bestimmten Pflegedienst versorgt wurden. Schnell wurde klar: Es musste jemand aus dem Team sein. Schließlich wandte sich der Betreiber des Neumünsteraner Unternehmens an die Polizei. Gemeinsam mit den Ermittlern legte er eine sogenannte Diebesfalle mit präparierten Geldscheinen aus – und die schnappte am 16. Januar dieses Jahres zu. Gestern musste sich eine Altenpflegerin (41) vor dem Amtsrichter wegen versuchten Diebstahls verantworten.

„Ja, ich habe das Geld genommen“, erklärte die Frau. Doch dann erzählte sie eine ganz andere Geschichte als die Anklage: An dem Morgen habe sie viel Stress gehabt, als sie plötzlich auch noch die Medikamente für eine Patientin holen sollte. Als sie in das leere Zimmer der alten Dame gekommen sei, habe die Schublade des Nachttischs, auf dem die Medikamente lagen, ein wenig offen gestanden. Sie habe die Tabletten genommen und dabei den Geldbeutel gesehen. „Weil ich wusste, dass es immer wieder Diebstähle gegeben hat, habe ich zwei 50- Euro-Scheine aus dem Portemonnaie genommen“, so die Angeklagte. Das Geld wollte sie einer Kollegin zur Aufbewahrung geben. Doch die sei nicht zu finden gewesen. Deshalb habe sie die Scheine eingesteckt, um sie später abzugeben. Als dann die Vorwürfe kamen, sei sie „aus allen Wolken gefallen“. „Es gab doch die Anweisung, dass wir rumliegendes Geld sicherstellen sollten. Ich wollte nur alles richtig machen“, so die Frau.

Von einer entsprechenden Anweisung wollte der Betreiber des Pflegedienstes als Zeuge nichts wissen. „Die Mitarbeiter haben die Privatsphäre der Patienten zu wahren und schon gar nicht in Schubladen zu wühlen“, meinte er. Dann beschrieb er, wie er das Portemonnaie mit mehreren präparierten Scheinen (insgesamt 130 Euro) zuvor in die Schublade legte und diese komplett zuschob. Außerdem installierte er auf Anweisung der Kripo eine Kamera in einem Wecker, so dass das Zimmer auch noch gefilmt wurde. Zwei Polizeibeamte schilderten, wie sie die Frau später mit dem Vorwurf konfrontierten und diese die Sache damals offenbar spontan zugab. Bei einer Hausdurchsuchung wurden jedoch keine Hinweise auf weitere Taten gefunden.

„Ich glaube Ihnen kein Wort. Sie sind durch die Beweisaufnahme überführt“, erklärte der Staatsanwalt Richtung Anklagebank. Er forderte 1350 Euro Geldstrafe für die arbeitslose Frau, die damals ihren Job verlor. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch und erinnerte daran, dass seine Mandantin nicht vorbestraft ist. Der Richter folgte letztendlich dem Staatsanwalt. „Sie haben sich hier so uneinsichtig gezeigt, dass ich sogar kurz über eine Freiheitsstrafe nachdachte“, so der Jurist. Die Strafe darf die Frau in 30-Euro-Raten abstottern. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

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