Neumünster : Altenpfleger stärken sich den Rücken

In einem Theaterworkshop nahmen die jungen Altenpfleger Klischees und Vorurteile über ihren Berufsstand aufs Korn. Hussein Parabbassi, Michael Müller, Linda Burkhardt und Martin Mitterer (von links) waren sich sicher: Auch Männer können den Job!
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In einem Theaterworkshop nahmen die jungen Altenpfleger Klischees und Vorurteile über ihren Berufsstand aufs Korn. Hussein Parabbassi, Michael Müller, Linda Burkhardt und Martin Mitterer (von links) waren sich sicher: Auch Männer können den Job!

Junge Awo-Azubis diskutieren über ihren Job

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21. Juni 2018, 12:30 Uhr

Der Bedarf an Altenpflege ist riesig, das hat auch die Politik erkannt. Aber wohin geht die Reise tatsächlich? Wie müssen sich Ausbildung und Rahmenbedingungen ändern, damit der „Pflegenotstand“ endlich in den Griff zu bekommen ist?

Darüber tauschten sich gestern 63 angehende Altenpfleger der Awo Schleswig-Holstein beim Ausbildungstag im Kiek In aus.

Die Berufsstarter oder Wiedereinsteiger reflektierten dabei in Vorträgen und Workshops den eigenen Arbeitsalltag und suchten dabei auch nach Strategien, bestehende Klischees über ihren Berufsstand aufzubrechen: So zeigten sie etwa in Spielszenen auf, dass professionelle Pflege weit mehr als „nur“ Füttern und Waschen ist und auch Männer in der Altenpflege ihren Platz haben sollten.

Angesichts der wiedererwachten Debatte über die Pflege und den wachsenden Bedarf an Pflegekräften gewinnt offenbar auch die Ausbildung wieder an Attraktivität. Mit rund 25 000 Berufsstartern haben in diesem Jahr bundesweit so viele junge Menschen wie seit Jahren nicht mehr eine Ausbildung zum Altenpfleger aufgenommen. Und ihre Berufsaussichten sind gut. „Sie können sich fast aussuchen, wo sie künftig arbeiten“, sagt Uwe Braun Leiter der Awo Pflege Schleswig-Holstein.

Auch bei der Arbeitsbelastung stünden die Zeichen auf Besserung: „Die Arbeitsverdichtung in der Altenpflege ist kaum noch zu toppen“, sagt Braun. Aus der Politik gebe es vermehrt Signale, dass man strukturell und organisatorisch einlenken wolle. Sprich: Es werde zwangsläufig mehr eingestellt.

Auch von der angestrebten Reform der Pflegeberufe 2020 verspricht sich der Experte viel. Mit der Reform sollen die bisher getrennten Ausbildungswege für Altenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger zu einem generalistischen Ausbildungsgang zusammengefasst werden. Auszubildende müssen sich dann erst später für eine Spezialisierung entscheiden. Zur Finanzierung sollen Betriebe, die Pflegeleistungen erbringen, in einen Fonds einzahlen – auch Betriebe, die selbst nicht ausbilden. Das Schulgeld für Auszubildende soll dann bundesweit entfallen.

Irina Wende (31) und und Jeanette Boosch (20), zwei Awo-Azubis aus Neumünster, sind sich heute schon sicher, die richtige Berufswahl getroffen zu haben: „Ältere Menschen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Wir möchten dazu beitragen, dass sie bis zum Schluss in Würde leben.“

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