Flüchtlinge : Als die Kieler in Scharen nach Einfeld flüchteten

Christian Dahl
Christian Dahl

Noch im Zweiten Weltkrieg entstand die Finnenhaussiedlung im Norden der Stadt, in die Kieler Arbeiter einzogen. Pastor Christian Dahl erzählt.

shz.de von
07. Juli 2015, 07:30 Uhr

Neumünster | Heute kommen die Flüchtlinge vor allem aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan nach Neumünster. In der Erstaufnahme-Einrichtung am Haart leben sie einige Wochen, ehe sie auf die Kreise verteilt werden. Christian Dahl, seit 1990 Pastor in Einfeld, hat die Berichterstattung über die Schicksale vor einigen Tagen im Courier berührt. Er erinnert daran, dass auch nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat waren. Anlässlich zahlreicher Goldener Konfirmationen hat er eine Statistik über die Herkunft der Konfirmanden aus Einfeld erstellt. Das Dorf war damals noch eigenständig.

Auffällig: Die jeweils größte Gruppe der 1953 bis 1958 konfirmierten Jungen und Mädchen ist in Kiel geboren. So waren es 1953 von 134 insgesamt 52. Nur 14 waren in Einfeld geboren. 31 stammten aus dem Osten, hauptsächlich aus Ostpreußen und Pommern, 16 aus dem übrigen Schleswig-Holstein, 7 aus dem übrigen Deutschland und 3 aus Großharrie, das extra aufgeführt wird. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bis einschließlich 1958 ab. Erst 1959 stammen von 84 Konfirmanden mit 23 die meisten aus Einfeld, 20 kommen aus dem Osten, nur noch 14 aus Kiel. Der Grund: Das sind dann die 1945 nach dem Kriegsende geborenen Kinder.

„Die Familien flohen damals vor den Bomben, die auf die Landeshauptstadt geworfen wurden. Es waren hauptsächlich Arbeiter, die sich dann an der Bahnstrecke niederließen. Wie in Bordesholm und Flintbek entstanden ab 1941 auch in Einfeld die Finnenhäuser“, erzählt Dahl. Seine These: Die Einfelder gingen in die Feuerwehr, die Kieler Arbeiter zur Arbeiterwohlfahrt, und die Flüchtlinge aus dem Osten engagierten sich wegen ihrer größeren Frömmigkeit in der Kirche.

Heute hat Einfeld mit Flüchtlingen kaum mehr etwas zu tun. Neumünster muss wegen der Landesunterkunft keine weiteren erwachsenen Flüchtlinge mehr aufnehmen.

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