Bilderschau : Als der Großflecken „verkehrsberuhigt“ war

Steinwüste und große Maschinen:  Mit Hilfe von schweren Rüttlern wurden in der ersten Umbauphase zunächst die Flächen und Fahrbahnen gepflastert. Die  Baumreihe über den Platz und die beiden Kreisel mit Bauminseln,  wie hier vor Karstadt, kamen erst in der Schlussphase hinzu.
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Steinwüste und große Maschinen: Mit Hilfe von schweren Rüttlern wurden in der ersten Umbauphase zunächst die Flächen und Fahrbahnen gepflastert. Die Baumreihe über den Platz und die beiden Kreisel mit Bauminseln, wie hier vor Karstadt, kamen erst in der Schlussphase hinzu.

Courier-Fotograf Joachim Krüger erinnert mit rafinnierten Foto-Kombinationen an den Umbau des Großfleckens vor 25 Jahren.

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06. Juni 2014, 18:27 Uhr

Neumünster | Am 2. März 1988 fand der erste Spatenstich statt, mehr als drei Jahre später – zur Holstenköste 1991 – wurde der umgestaltete Großflecken offiziell eingeweiht. Was zwischendrin passierte, ist auf Schwarzweißaufnahmen zu sehen, die der Courier-Fotograf Joachim Krüger in seinem Archiv aufstöberte. Krüger nahm die Fotos, kehrte an den jeweiligen Standort zurück, von dem er seinerzeit das Foto „schoss“ und ließ damals und heute auf einem aktuellen Foto aus gleicher Perspektive verschmelzen. Das Ergebnis präsentiert der Courier seinen Lesern auf dieser Seite.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Verkehrsberuhigung und einer neuen Pflasterung für den größten Platz der Stadt dürften die Aufnahmen bei vielen Neumünsteranern Erinnerungen wecken.

Für die Innenstadt bedeuteten die Bauarbeiten damals eine längere „komplette Verkehrsberuhigung“, denn dort, wo vorher die Autos potentieller Kunden fahren und parken konnten, türmten sich in der dreijährigen Umbauzeit die zu verpflasternden indischen Granitquader. Daneben standen die Container für die Bauarbeiter.

Die Ostseite des Großfleckens war im Sommer 1989 komplett aufgerissen und nur noch zu Fuß erreichbar. Zwei der Geschäftsleute, die massive Umsatzeinbußen hinzunehmen hatten, starteten eine ungewöhliche Aktion, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen: Horst Schrinner, Chef des McDonalds-Restaurants an der Ecke zur Holstenstraße, und Buchhändler Carsten Rathje stellten kurzerhand Stühle, Tisch und Sonnenschirm in den „Pflasterstrand“ vor ihren Geschäften. Die Spontanaktion, trotzig zu zeigen, dass man unter schwierigen Bedingungen den Humor nicht verlieren wollte, brachte ihnen große Sympathien ein.

Viele Neumünsteraner standen der Umgestaltung des Großfleckens insgesamt kritisch gegenüber, begutachteten den teuren indischen Granit bereits damals mit großer Skepsis, trauerten dem zugeschütteten Fußgängertunnel oder dem Pavillion am südlichen Ende des Zob nach. Der gelbgeklinkerte Bau mit seiner recht markanten Architektur, der neben der Kneipe „Drugstore“ auch ein Blumengeschäft beherbergte, war bereits 1988 innerhalb weniger Stunden von einem Bagger dem Erdboden gleichgemacht worden.

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