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Boostedt : Als das Wasser noch aus den Gräben gepumpt wurde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Feuerwehr Boostedt feiert am kommenden Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen.

Boostedt | „Man kann ein Feuer auch mit einer Tasse Wasser löschen – man muss nur schnell genug sein“, erklärt der Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Boostedt, Thomas Storm (46). Seit nun 125 Jahren rückt die Feuerwehr Boostedt Tag und Nacht aus, um schnellstmöglich am Ort des Geschehens einzutreffen. Das muss gefeiert werden: Von Sonnabend, 6. September, bis Sonntag, 7. September, gibt es ein großes Jubiläumsfest am Hof Lübbe.

Am 16. Juni 1889 wurde die Wehr von 44 Männern der damals 489 Einwohner Boostedts gegründet. Viel hat sich geändert in der Zeit. Der Boostedter Dirck Boyens (86) ist seit 61 Jahren Feuerwehrmann und kann sich noch gut an die Praxis von früher erinnern. „Wir hatten eine Jacke, die wir sowohl zum Einsatz als auch zu Feierlichkeiten anzogen. Dazu ein feines Käppi und einen Stahlhelm ohne Nacken- oder Gesichtsschutz. Stiefel bekamen wir in den 70er-Jahren. An Atemschutz war nicht zu denken“, erzählt er. Der wurde erst 1969 zusammen mit einem neuen Tanklöschfahrzeug angeschafft.

Bis in den 30er-Jahren der erste Hydrant am Sägewerk Ruser angeschlossen wurde, wurde mit zwei Handdruckspritzen aus offenen Gräben Wasser gepumpt oder aus dem Dorfteich bezogen. „Der war dort, wo jetzt der Frisör ist, gegenüber vom Hof Lübbe“, weiß Thomas Storm.

Die Motorisierung der Wehr war eine herausragende Verbesserung. 1952 wurde für 17 604 Mark das erste Löschfahrzeug angeschafft. Das liebevoll Minna getaufte Auto existiert immer noch. „Etliche Kilometer bin ich damit gefahren. Die Minna zu lenken und zu rangieren war ganz schön schwer, Servolenkung gab es damals noch nicht“, erzählt Ehrenmitglied Dirck Boyens. Mit Anschaffung der Minna musste auch ein neues Gerätehaus her. Seit 1955 hat es seinen jetzigen Platz beim Kindergarten. „Ein Kuriosum ist, dass beim alten Gerätehaus, das an der Ecke Dorfring/Tegelbarg stand, auch ein kleiner Arrestraum vorhanden war. Der wurde als Ausnüchterungszelle genutzt“, hat Thomas Storm recherchiert.

Schlimm erwischt hat es das Holzwerk in Boostedt. Gleich dreimal – Ende der 30er-, Anfang der 50er- und Anfang der 90er-Jahre – musste die Feuerwehr Großbrände bei der Firma Ruser löschen, die ihr Werk auf dem jetzigen Einkaufszentrum an der Neumünsterstraße hatte. „Nach Einsätzen, bei denen Schlimmeres geschehen ist, sprechen wir gemeinsam darüber. Das hilft uns, mit den Erfahrungen umzugehen“, sagt Storm.

Heute weiß jedes Kind, was es bedeutet, wenn der durchdringende Heulton der Sirene ertönt: Es brennt! Bis 1955 allerdings fuhr ein Feuerwehrmann auf dem Fahrrad durch Boostedt und alarmierte mit einem Horn die Menschen. „Da brauchte man ordentlich Puste“, meint Dirck Boysen.

Das Jubiläum ruft viele Gratulanten auf den Plan. So hat, für alle schon am Ortseingang sichtbar, die Firma Thiel gemeinsam mit Jörn Haase, der das Stroh geliefert hat, Bodo Koch, der das Gestell gesponsort hat, dem Malermeister Klaus Grammerstorf und natürlich mit Helfern der Feuerwehr ein Modell eines Feuerwehrautos errichtet.

Boostedt Zum bundesweit ausgerichteten „Tag der Jungen Briefmarkenfreunde“ am Sonnabend, 6. September, bringen die Boostedter Briefmarkenfreunde einen Sonderstempel heraus. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Boostedt haben sie sich als Motiv etwas Besonderes einfallen lassen. Im Stempel ist ein 1925 erbauter Hamburger Standfeuermelder abgebildet, der damals von der Firma Siemens & Halske hergestellt wurde. „Das Original kann man neben vielen anderen Feuerwehrgerätschaften und Feuerwehrautos im Feuerwehr-Museum in Norderstedt bewundern“, informiert die erste Vorsitzende der Jungen Briefmarkenfreunde Boostedt, Marianne Klopp. Das Erlebnisteam der Post aus Hamburg wird mit einem Stand am Sonnabend auf dem Vorplatz des Dorfgemeinschaftshauses Hof Lübbe stehen und in der Zeit von 11 Uhr bis 17 Uhr den Stempel abschlagen. Bei den Jungen Briefmarkenfreunden kann man außerdem einen Briefumschlag erwerben, auf dem der Hamburger Standfeuermelder abgebildet ist. Auch die neu herausgegebene Briefmarke zum Thema Jugendfeuerwehr ist vor Ort zu bekommen. Den Boostedter Briefmarkenfreunden ist es über den Landesring Schleswig-Holstein gelungen, ein 24 Blatt umfassendes Exponat zum Thema „retten, löschen, bergen und schützen“ von den Briefmarkenfreunden in Elmshorn auszuleihen, das sich die Besucher ansehen können. Wer an dem Sonnabend keine Zeit hat und dennoch an dem Sonderstempel oder dem Briefumschlag interessiert  ist, kann sich vor der Veranstaltung an Marianne Klopp, Feldstraße 17 in 24598 Boostedt wenden.  

Das Festprogramm

Sonnabend, 6. September:

10 Uhr Eintreffen der Wehren

11 Uhr Begrüßungsansprachen

12 Uhr Feuerwehrwettkämpfe, buntes Rahmenprogramm, Ausstellungen z. B. „Helme aus aller Welt“

16.30 Uhr Siegerehrung

Sonntag, 7. September

9.30 Uhr Feldgottesdienst

10 Uhr Feuerwehr-Oldtimer-Treff

11 Uhr Frühschoppen mit den „Wacken Firefighters“

13.30 Uhr Kaffee und Kuchen

16 Uhr Ende

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