Neumünster : Als das Taxi vorfährt, holt er das Messer

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Im Kieler Landgericht begann gestern der Prozess gegen einen Mann, der während eines Einbruchs an der Marienstraße die Bewohner bedroht haben soll.

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26. Juni 2018, 07:30 Uhr

Neumünster | Es müssen schreckliche Minuten für das Ehepaar gewesen sein. Als es am 12. Dezember vergangenen Jahres mittags nach Hause kam, stand plötzlich ein Fremder in der Wohnung an der Marienstraße. Doch der Einbrecher suchte nicht das Weite, sondern bedrohte die Eigentümer mit einem Messer. Er erbeutete ein Portemonnaie mit mehr als 200 Euro sowie Schmuck im Wert von 30 000 Euro. Das ging gestern aus der Anklageschrift hervor, die der Staatsanwalt vor der 1. Strafkammer des Landgerichts in Kiel zum Prozessauftakt verlas. Dort muss sich ein Mann (27) unter anderem wegen Erpressung verantworten.

Drei Tage nach der brutalen Tat soll der Angeklagte an der Klaus-Groth-Straße in ein Reihenhaus eingestiegen sein. Diesmal kam er offenbar im Schutz der Dunkelheit und erbeutete Schmuck sowie einen kleinen Tresor, den er später auf einem Parkplatz an der Baeyerstraße aufstemmte – er soll jedoch leer gewesen sein.

Bei einem dritten Einbuch in ein Haus an der Hauptstraße Ende Oktober 2017 soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft nur Schmiere gestanden haben. Während er zu diesem Vorwurf nichts sagte, gab der junge Mann, der zuletzt obdachlos bei Bekannten und Freunden in Neumünster lebte, die beiden anderen Taten gestern zu. „Das war ich“, sagte er knapp. Dann schilderte er detailliert, wie ihn damals 10 000 Euro Spiel- und Drogenschulden drückten. Als er mittags am 12. Dezember nach einem Termin beim Bewährungshelfer aufgeputscht durch die synthetischen Drogen Speed und Crystal Meths durch die Marienstraße ging und vor einem Haus ein Auto wegfahren sah, sei er dort kurzerhand eingebrochen. „Mit einem Spaten hab ich die Wohnungstür aufgehebelt, mich dann umgeschaut. Plötzlich ist ein Taxi vorgefahren. Ich bekam Panik“, erklärte der Angeklagte. „Als die reinkamen, bin ich in die Küche und hab’ das Messer genommen“, schilderte der Mann, der offenbar seit Jahren Alkohol- und Drogenprobleme hat. Ob er auch drohte, dass Ehepaar damit „abzustechen“, wusste er nicht mehr genau. „Das ist wie durch einen Schleier, ich war ganz kirre im Kopf“, meinte er. Seine Opfer mussten sich offenbar mit dem Gesicht nach unten aufs Bett legen und ihm ihre Wertsachen geben. Den Schmuck verkaufte der Mann für rund 10 000 Euro – zahlte von dem Erlös Schulden und Drogen.

Das überfallene Paar war gestern aus gesundheitlichen Gründen nicht im Zeugenstand erschienen. „Sie sind sehr traumatisiert davon“, meinte eine Nachbarin. Der Prozess wird fortgesetzt. Es geht dabei auch um die Einweisung in eine Fachklinik.

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