Traumberuf : Als „Curvy“-Model nach Mailand und Madrid

Mal cool, mal Weihnachtsengel: Als Model kann Angelina Kirsch verschiedene Typen von brav bis Femme fatale darstellen.
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Mal cool, mal Weihnachtsengel: Als Model kann Angelina Kirsch verschiedene Typen von brav bis Femme fatale darstellen.

Angelina Kirsch (26) aus Wittorf ist als „Curvy“-Model inzwischen international gefragt. Es fing mit einem Zufall in Rom an. Hinter den Kulissen ist es hektisch.

shz.de von
28. Januar 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Es war im Sommer 2011. Angelina Kirsch machte Urlaub in Rom. Ein Mann sprach sie an: „Du siehst supertoll aus. Ich habe eine Model-Agentur in Hamburg. Wie wär’s?“ Angelina, die Neumünsteranern als Tubaspielerin im Mädchen-Musikzug bekannt ist, zögerte. Doch Jan-Erik Lütjen, der Inhaber der Agentur, blieb hartnäckig – und heute jettet die 26-Jährige von Neumünster aus nach Mailand, Madrid, London und demnächst nach New York – als gefragtes Mode-Model.

100 – 74 – 111 – mit diesen Maßen für Brust, Taille und Hüfte erobert die Wittorferin seit zwei Jahren die Mode-Welt. Nicht als dürre Schönheit, sondern als „Curvy“- oder „Size-Plus“-Model. „Ich war noch nie ein Strich in der Landschaft“, sagt sie. Deswegen zögerte sie: „Ich dachte, der findet mein Gesicht toll, aber ich sollte noch 20 Kilogramm abnehmen.“ Aber nein: Bei einem Besuch in Hamburg März 2012 begrüßte er sie freudig und stellte klar: „Ich will Dich so, wie Du bist.“ Denn pfundige Models sind nach der Diskussion um magersüchtige „Bohnenstangen“ im Trend. Ein Weiteres gab den Ausschlag: „Er stellte klar, dass die Agentur beim Vermarkten in Vorkasse geht. Das machte das Ganze vertrauenswürdig.“ Nach dem Fotoshooting hieß es abwarten. Dann bissen die ersten Kunden an. Angelina warb für eine Capri-Hose bei Lidl, sammelte Referenzen, ließ sich für Sportmode und Unterwäsche fotografieren, in der „Freundin“ bekam sie ein Mode-Editorial „Neuheiten mit Format“. Eine zweite Agentur nahm sie in ihre Kartei auf („Models 1“) – und Angelina warb für H & M, war in Europa und den USA zu sehen. Es folgten die Adler-Modemärkte: In der Weihnachtskampagne 2014 wurde Angelina ein großformatiger Weihnachtsengel. Um Fotos zu machen, ging sie in die Filiale vor Ort: „Die Verkäuferin war völlig aus dem Häuschen, wollte ein Autogramm.“

Angelina Kirsch steht zu ihrer Figur. Sie ist keine Kalorienzählerin: „Ich achte darauf, was ich esse, gehe zweimal in der Woche ins Fitness-Studio. Aber an einem Tag in der Woche gönne ich mir alles, was ich will.“ Für sie ist Schönheit etwas, was jede Frau hat: „Schönheit kommt aus dem Inneren, sie ist nur die Hülle. Schönheit allein hilft nicht, wenn Du nicht Persönlichkeit hast.“ Allen Frauen sagt sie: „Freut Euch über das, was Euch mitgegeben ist, fühlt Euch wohl in Eurem Körper.“

Laufen im Blitzlichtgewitter, süßes Leben in Saus’ und Braus? Natürlich trifft sie auch Prominente, zeigt Fotos mit Olivia John, Rolf Scheider und dem Fotografen Andreas Ortner, der mit Heidi Klum zusammenarbeitet. Doch jungen Frauen, die vom Model-Leben träumen, sagt sie klipp und klar: „Der Job besteht zu 60 Prozent aus Warten und ist super stressig. Morgens um 8 Uhr ins Studio, ab in die Maske, warten, Anprobe, Styling, warten. Wenn es dann losgeht, rennt man, sobald man vom Laufsteg runter ist, da ist richtig Hektik.“ Und: „Man darf keine Diva sein, sondern sollte gutgelaunt mitarbeiten.“

Und sie bleibt bodenständig. Erst in Bologna Schaulaufen für Marina Rinaldi, dann in Neumünster bei der Probe des MMN – „das ist total toll zum Erden.“ Außerdem schreibt sie ihre Bachelor-Arbeit, sie studiert Musik- und Sprachwissenschaften in Hamburg.

Ihre Agentur verkauft sie unter dem Etikett „natürliche Schönheit und zufällig sexy“ – und das zieht. Inzwischen ist Angelina bei weiteren zwei Agenturen in Mailand und Madrid unter Vertrag. Experten haben ihr geraten, einen Fuß in den New Yorker Markt zu setzen: „Dein Typ ist dort gefragt. Wenn Du Dir einen guten Namen machst, wirst Du viel Arbeit haben.“ Angelina Kirsch will das machen: „Aber meine Heimat ist hier.“

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