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Demo abgesagt : Alle waren da, nur keine Demonstranten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Organisatorische oder gesundheitliche Gründe? Der Veranstalter sagte am Abend vor der geplanten Anti-Flüchtlings-Kundgebung ab. Die Gegner feierten trotzdem

Neumünster | Die große Anti-Flüchtlings-Demonstration vor dem Rathaus war über Wochen auf der Facebook-Seite „Neumünster wehrt sich“ für gestern Mittag angekündigt worden. Doch am Vorabend wurde sie überraschend abgesagt. Damit blieben die Gegendemonstranten vom Bündnis gegen Rechts und der Türkischen Gemeinde unter sich. Zu Spitzenzeiten hatten sich rund 500 Menschen, darunter rund 200 Vertreter aus der Kieler Antifa-Szene, bei strahlendem Sonnenschein auf dem Großflecken vor C&A versammelt.

Unter dem Motto „Ein Platz für Flüchtlinge. Kein Platz für Nazis!“ hörten sie zahlreichen Rednern aus Politik, Gesellschaft und Religion zu und tanzten zur Musik der „Neumünster-Session-Band“.

Die Absage der Anti-Flüchtlings-Kundgebung erfolgte am Sonnabend kurz nach 20 Uhr. Laut Polizeisprecher Sönke Hinrichs rief der Anmelder beim 1. Polizeirevier an und informierte über das Aus der Veranstaltung. Fast zeitgleich tauchte die Nachricht auf der Facebook-Seite auf. Die Polizei stattete dem Organisator erst einmal einen Besuch ab, um die Identität des Anrufers zu prüfen. Als Grund für die Kehrtwende nannte der Anmelder, ein bekannter Neonazi, „gesundheitliche Probleme“. Im Internet war hingegen von „technischen und organisatorischen Gründen“ die Rede. Weitere Details sollten „in Kürze“ folgen, hieß es auf Facebook. Bis gestern Abend blieben diese jedoch aus. Konsequenzen wird die Absage für den Anmelder kaum haben. „Das geht auf Kosten der Demokratie“, erklärte Peter Eggers vom Ordnungsamt.

Trotz der Absage war die Polizei gestern mit starken Kräften und Wasserwerfern vor Ort. „Die Polizei hat sich darauf eingestellt, das Versammlungsrecht zu schützen. Es war außerdem nicht ganz ausgeschlossen, dass es sich um eine Finte handelt oder dass einige die Absage nicht mitbekommen haben und trotzdem anreisen“, sagte der Polizeisprecher zu Beginn der Gegendemonstration kurz vor 12 Uhr. Doch alles blieb ruhig.

„Wir freuen uns, dass wir die Nazis zurückgedrängt haben. Wir werden jetzt ein Fest feiern und können hier ungestört unsere Inhalte rüberbringen“, sagte Dr. Heiner Wadle, Sprecher vom Bündnis gegen Rechts. In ihren Beiträgen warnten die Redner vor Rassismus und rechter Hetze. „Es gibt kein Recht auf Rassismus“, erklärte zum Beispiel Frank Hornschu vom Deutschen Gewerkschaftsbund. „Es ist wichtig, dass wir wachsam sind“, sagte Kirsten Eickhoff-Weber (SPD) und forderte „ein klares Bekenntnis zu den Grundwerten“. Tufan Kiroglu von der Türkischen Gemeinde nannte Neumünster eine „tolerante und schöne Stadt“ und erklärte: „Es ist richtig, dass Neumünster sich wehrt – und zwar gegen Faschisten und Rassisten.“

Für Unruhe sorgten Vertreter der Partei Alfa, die sich mit Plakaten mit der Aufschrift „Gegen Hetze – weder von links noch rechts“ unter die Zuhörer gemischt hatten. Nach Aufforderungen durch die Organisatoren verließen sie schließlich die Veranstaltung. Zwischenzeitlich waren ihnen bei Rangeleien mit der Antifa Plakate zerrissen worden. Mitglieder von Alfa hatten sich in den Tagen vor der Demonstration vom Bündnis gegen Rechts in die rechte Ecke gedrängt gefühlt (der Courier berichtete).

Gegen 13.30 Uhr kehrte auf dem Großflecken wieder Ruhe ein. Die Polizei musst derweil den Alten Markt in Kiel im Auge behalten, dort sollte es laut Facebook eine weitere Kundgebung der rechten Szene geben. Doch auch das entpuppte sich als Falschmeldung. 

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erstellt am 29.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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