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Gelungene Integration : Aleksej stehen alle Türen offen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schleswig-Holstein bester Fliesenleger kam vor fünf Jahren als Waise ohne Deutsch-Kenntnisse allein aus Kirgisien nach Neumünster.

von
erstellt am 23.Nov.2015 | 17:54 Uhr

Neumünster | Als Aleksej Kern (20) vor fünf Jahren via Hamburg in Neumünster eintraf, hatte er nur eine Plastiktüte mit ein paar Sachen zum Anziehen dabei. Heute stehen dem jungen Mann als landesbestem Fliesenleger beruflich alle Türen offen. Er hat einen sicheren Job, eine kleine Wohnung in der Innenstadt und ist glücklich mit seiner Freundin Amina.

Aleksej kam 2010 als Waise mit 15 Jahren allein aus Leninpol in Kirgisien nach Deutschland. „Ich suchte hier meine Großeltern. Meine Eltern kamen bei einem Verkehrsunfall ums Leben“, sagt Aleksej Kern. Er kam zunächst in die Erstaufnahmestelle am Haart und lebte dann mit anderen Jugendlichen in einer Wohngruppe der Iuvo. Der Jugendhilfeträger betreut in der Stadt sogenannte unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in Einrichtungen wie der jüngst eröffneten an der Parkstraße.

Deutsch als Zweitsprache (Daz) lernte Aleksej innerhalb nur eines Jahres in einer Daz-Klasse an der Walther-Lehmkuhl-Schule. Mit 16 machte er seinen Hauptschulabschluss und begann dann bei Meister Michael Grzyb seine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Die Lehre meisterte er mit Bravour und einem Top-Gesellenbrief.

Den krönte er noch in Heide mit dem Sieg beim Landesentscheid im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Beim Bundesentscheid, der jetzt in Krefeld ausgetragen wurde, reichte es für Aleksej Kern unter neun Teilnehmern zum 4. Platz. „Die Konkurrenz war sehr stark. Es hat nicht ganz gereicht“, sagt Aleksej Kern.

Seine Freundin Amina wohnt in Kiel und ist mächtig stolz auf ihren Aleksej. „Ich habe das alles nur wegen Amina erreicht. Sie hat mich sehr unterstützt und war auch in Krefeld mit dabei“, sagt Aleksej Kern. Beim Landeswettbewerb gab es neben Urkunden auch einen Anerkennungspreis in Höhe von 350 Euro, einen Akkuschrauber und einen Gutschein für die Meisterschule. Den will Aleksej auch nicht verfallen lassen. „Ich will jetzt erstmal ein paar Jahre lang arbeiten, Geld verdienen und Erfahrungen sammeln. Und dann will ich die Meisterprüfung angehen“, sagt er. Bei der bisher gezeigten Zielstrebigkeit und seinem Ehrgeiz darf man ihm das ohne Zweifel zutrauen.

Für Volker Rüge, den Iuvo-Bereichsleiter in Neumünster, ist Aleksej Kern „ein tolles Beispiel für eine gelungene Integration – menschlich und beruflich. Wichtig ist, dass Firmen solchen Jungs eine Chance geben. Und man sieht, es zahlt sich aus.“

Standpunkt

So kann Integration gelingen

Aleksej Kern ist ein Musterbeispiel, wie Integration gelingen kann. Die Schlüsselbegriffe lauten: Erwerb der deutschen Sprache und Bildung, das heißt: ein Schulabschluss  und dann anschließend eine Berufsausbildung oder ein Studium.

Sicher gehören dazu auch eine starke Persönlichkeit und ein starker Willen, es zu schaffen und sich in die Gesellschaft der neuen Heimat zu integrieren.

Aleksej Kern ist so eine starke Persönlichkeit. Wer als Waise allein in einem fremden Land innerhalb nur eines Jahres die fremde Sprache lernt, sich in der Schule und in der Berufsausbildung durchbeißt und dann noch so einen Spitzen-Abschluss hinlegt, ist ein Vorbild. Nicht nur für andere Migranten, die ihre Zukunft in Deutschland suchen, sondern auch für alle, die hier geboren und aufgewachsen sind.

Solche jungen und ehrgeizigen Talente braucht unser  Land, denn sie werden Deutschland  voran bringen. Wer weiß, vielleicht gründet der junge Mann nach seiner Meisterprüfung ja seinen eigenen Betrieb und schafft neue Arbeitsplätze.

 

 

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