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Naturfilm-Tournee : Akrobatische Affen und streitbare Storchendamen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

500 Besucher strömten zum Naturfilm-Abend des Holsteinischen Couriers / Faszinierende Einblicke in den Überlebenskampf von Seekühen, Störchen und seltenen Primaten

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2015 | 07:30 Uhr

Neumünster | Mini-Pythons, die sich aus ihren Eiern ins Freie kämpfen, Weber-Ameisen als geschickte Baumeister, gemächliche Seekühe und unglaubliche Zeitlupen-Aufnahmen von Störchen, die Artgenossen aus der Luft attackieren: Faszinierende Naturfilm-Bilder erlebten 500 Zuschauer am Montagabend in der Holstenhalle 2. Drei Stunden lang gab es auf Einladung des Holsteinischen Couriers und des Eckernförder Naturfilmfestivals „Green Screen“ spannende Einblicke in Fauna und Flora von Sri Lanka, die Unterwasserwelten Floridas und in die „Vollpension“ für Störche im brandenburgischen Dorf Rühstädt.

Der Courier-Redaktionsleiter Thorsten Geil und Jens Stender vom Green-Screen-Förderverein begrüßten die Zuschauer, freuten sich über die „volle Hütte“ und dankten Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Dann entführte der erste Film, „Wildes Sri Lanka“ von Joe Loncraine und Mike Birkhead, in die faszinierende Artenvielfalt der Insel im Indischen Ozean. Weißbartlanguren flogen quasi akrobatisch durch die Baumwipfel, eine mächtige Tigerpython-Mutter umkringelte ihr Gelege und wärmte es bis kurz vor dem Schlüpfen – und machte sich von dannen, weil sie sonst ihren Nachwuchs fressen würde. Weberameisen klebten mit den Seidenfäden ihrer Larven die Blätterbauten zusammen oder zogen mit erbeuteten Termiten wie ein kleiner Leichenzug von dannen. Als geisterhaftes Wesen der Nacht war ein großäugiger Schlank-Lori, einer der ältesten Primaten der Welt, zu sehen, und das staunende Publikum erfuhr, dass Flughunde die „Hüter der Bäume“ sind, denn sie fressen die Früchte und scheiden die Samen beim Herumfliegen wieder aus.

Ein kurios aussehendes Tier stand dann im Mittelpunkt: „Gestatten, mein Name ist Hamilton. Trotz der vielen Hutzeln ist das ein Babyfoto von mir“, stellte sich der Protagonist des zweiten Films vor: „Hamiltons Abenteuer – Seekühe mal anders“. Dieser Streifen ist insofern einzigartig, als es noch nie einem Filmteam gelungen war, eine Seekuh über Jahre hinweg zu begleiten. Der Film startete quasi mit der Zeugung des Seekuh-Bullen Hamilton – eine Paarung kann bei diesen Tieren Stunden dauern, denn „zwei 600 Kilogramm schwere Körper zu einem kleinen Ziel zu befördern, ist ein Geschicklichkeitsspiel“, erläuterte der Sprecher.

Das Publikum freute sich, wenn Klein-Hamilton seine Mutter herumwirbelte, und es litt mit, als der kleine Bulle von einem unachtsamen Motorboot-Fahrer verletzt wurde, dann auch noch seine Mutter starb und er von Tierschützern wieder gesund gepflegt wurde. Der Film hatte ein Happy-End: Hamilton, der ein Jahr mit einem Sender verfolgt und weitere zwei Jahre vom Film-Team begleitet wurde, überlebte auch eine Algenpest, an der Hunderte seiner Artgenossen starben.

Stürmisch ging es im dritten Film „Unter Störchen – ein Dorf im Vogelfieber“ von Herbert Ostwald zu. In der größten Weißstorch-Kolonie Deutschlands verfolgte der Filmemacher auch die Menschen, die ihr Dorf ganz auf die Adebare einrichten. Die Zuschauer holten schon tief Luft, als ein Elterntier ein krankes Küken tot hackte und es aus dem Nest warf. Es gab aber auch lustige Momente, als die streitbare Haupt-Storchendame ihren Mann und deren Geliebte mit viel Geflatter aus dem Horst vertrieb.

Neumünster war die erste von 15 Stationen, in denen die Filme in den kommenden Wochen gezeigt werden. Überall dürfen die Zuschauer abstimmen; der Film mit dem stärksten Zuspruch erhält den Publikumspreis des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. Wie das jeweilige Publikum abgestimmt hat, wird erst nach der Preisverleihung veröffentlicht, um niemanden zu beeinflussen. Nur eines kann verraten werden: In der Holstenhalle wurden 453 Stimmkarten eingeworfen; Ergebnis: 240 – 108 – 99.

Im Internet: www.greenscreen-festival.de.

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