Gerichtsbericht : Akademischer Disput um "Kanaker"

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Der Angeklagter wollte die Beleidigung schönreden. Das Amtsgericht hielt jedoch am Strafbefehl gegen den 59-Jährigen fest.

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12. Juni 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Da halfen auch alle wohlgesetzten Verteidigungsreden nicht mehr: Weil er einer Frau auf dem Parkplatz eines Supermarktes an den Kopf geworfen hatte, sie solle doch „ zurückgehen in ihr Kanakerland“, vergatterte das Amtsgericht einen 59-jährigen Neumünsteraner wegen Beleidigung zu 800 Euro Geldstrafe.

Ein entsprechender Strafbefehl war dem Neumünsteraner bereits im März ins Haus geflattert. Weil der vorangegangene Streit zwischen ihm und der Frau aus seiner Sicht nur unzureichend berücksichtigt worden war, legte er Widerspruch ein und bestand auf eine richterliche Entscheidung.

Tatsächlich hatte die Beleidigung eine Vorgeschichte: Auf dem Parkplatz war es zuvor offenbar fast zu einem Unfall mit den zwei kleinen Kindern der Frau gekommen. Während der Mann behauptete, die Kinder seien ihm vor das Auto gelaufen, bezichtigte ihn die aufgebrachte Mutter, provozierend auf ihre Kinder zugerollt zu sein. Der Streit gipfelte schließlich in dem „Kanaken-Spruch“.

Der Begriff Kanake sei im Übrigen von seiner Herkunft her keineswegs beleidigend, dozierte der Angeklagte: Wenn die Frau Kanake als Beleidigung interpretiere, sei das allein ihre Sache“, belehrte er das Gericht.

Weder Richter noch Staatsanwältin ließen sich davon beeindrucken. Unabhängig von der Herkunft des Wortes, sei doch der Kontext entscheidend, wie der Ausspruch zu verstehen sei, konterte die Staatsanwältin.

Auch mit seiner Anregung, prüfen zu lassen, ob die Beleidigte noch ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sei – immerhin habe sie ihre Kinder frei auf dem Parkplatz herumlaufen lassen – machte sich der Angeklagte vor Gericht keine Freunde.

Dennoch machte ihm das Gericht ein überraschendes Angebot: Im Laufe der Verhandlung hatte sich ergeben, dass der Angeklagte heute über mehr Einkommen verfügt, als man zum Zeitpunkt des Strafbefehls unterstellt hatte. Im Klartext: Würde er wegen Beleidigung verurteilt, würde das Gericht voraussichtlich eine höhere Geldstrafe festsetzen. „Wollen Sie ihren Widerspruch nicht zurückziehen?“, fragte der Richter. Der Angeklagte murmelte etwas von Kuhhandel – und akzeptierte.

Der Kanake  –  ein treuer Kamerad

Der „Kannakermann“ war im  19. Jahrhundert unter deutschen Seeleuten eine verbreitete Bezeichnung für Kameraden aus Polynesien. Da diese im Ruf standen, besonders fähige und treue Seeleute zu sein, wurde dieser Begriff meist im positiven Sinne und oft auch als „Ehrentitel“ für besonders gute Kameraden europäischer Herkunft gebraucht. Entlehnt ist das Wort vom hawaiischen kanaka für ‚Mensch‘.

Kanake ist in heutiger  Zeit in Deutschland eine zumeist abwertende Bezeichnung für Einwanderer mit südländischem Aussehen. Quelle: wikipedia

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