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Hoher Besuch : Afghanisches Lamm für die Ministerin

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Britta Ernst (SPD) besuchte einen Kochkursus der Arbeiterwohlfahrt für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge im Vicelinviertel.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Dieser Besuchstermin war bestimmt ganz nach dem Geschmack von Britta Ernst. Die Bildungsministerin war Gast bei einem Kochkursus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für jugendliche Flüchtlinge im Bildungszentrum Vicelinviertel.

Hier treffen sich seit einigen Wochen zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, um gemeinsam einzukaufen und am Herd zu stehen. Die Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 18 Jahren kommen aus Afghanistan, Eritrea, Albanien und Syrien. Gekocht werden hier Gerichte aus den Heimatländern der Jugendlichen, aber auch deutsche Speisen, wie zum Beispiel Frikadellen, Kartoffeln und Currywurst. Der Ministerin servierten die jungen Köche jedoch schließlich stolz die afghanische Spezialität „Korma palau“ – das ist geschmortes Lammfleisch in Tomatensoße auf Reis mit Spinatgemüse und Pommes frites.

„Neben dem Erlernen des Kochens dient der Kursus dazu, die erworbenen Deutschkenntnisse in der Praxis anzuwenden. Außerdem üben sich die Jungen so in der Haushaltsplanung, denn mit der Volljährigkeit gehen sie ja aus der Betreuung raus und müssen allein zurechtkommen“, erklärte die Kursleiterin Raina Holzhauser.

Die Jugendlichen seien ausgesprochen wissbegierig. „Deshalb empfinden sie die sechs Wochen Sommerferien als für sie verlorene Zeit. Alle wollen zur Schule gehen und möglichst schnell Deutsch lernen. Der Schulabschluss und eine Ausbildung sind ihre erklärten Ziele, die sie so schnell wie möglich erreichen möchten. Erwartet wird dieser Ehrgeiz aber insbesondere auch von ihren Familien“, erzählt Katharina Knopp, die als Koordinatorin in der Flüchtlingsarbeit der Iuvo, einer Tochtergesellschaft der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie, arbeitet.

Deshalb seien die Integrations- und Sprachförderungsangebote in den Ferien besonders wichtig, damit die Jugendlichen beschäftigt seien und ihre Kenntnisse in der schulfreien Zeit vertiefen könnten.

Neben dem Kochkursus hat die Awo deshalb weitere Angebote organisiert. „Geplant sind Stadtrundgänge und Bewerbungstrainings, aber auch Themen wie der Umgang mit Geld und ein Poetry Slam gehören dazu“, berichtete Michael Treiber, Leiter der Abteilung Awo-Interkulturell.

„Es ist wichtig, dass wir auf die Bedürfnisse der jungen Menschen schnell reagieren. Denn sonst sind sie für unser System verloren“, erklärte er weiter. Zustimmung fand diese Einschätzung auch bei der Ministerin. „Deshalb haben wir im Rahmen des Sprachförderungs- und Integrationsvertrags mit den Wohlfahrtsverbänden für die außerschulische Arbeit zwei Millionen Euro bereitgestellt“, sagte sie. Mittlerweile seien mehr als 100 Projekte landesweit am Start.

Zurzeit werden 50 Jugendliche in fünf Wohngruppen von der Iuvo betreut. In Neumünster leben zurzeit jedoch rund 250 minderjährige Flüchtlinge, die in weiteren Institutionen unter der Federführung des Jugendamtes untergebracht sind.

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