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Notruf-Missbrauch : Ärzte beklagen Ignoranz der Patienten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Aufklärungsmaßnahmen greifen nicht / Patienten könnten die Anlaufpraxis und den Fahrdienst nutzen

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 08:15 Uhr

Neumünster | Die Ärzte in der Stadt sehen mit großer Sorge und Verärgerung, dass sich immer mehr Patienten ohne große Schmerzen oder lebensgefährliche Verletzungen immer häufiger mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus fahren lassen (der Courier berichtete). „Das Thema hat bei uns oberste Priorität. Wir haben eine gut funktionierende ärztliche Notfallversorgung in Neumünster. Leider ignorieren viele Patienten das. Die Zeit des reinen Appellierens ist nun vorbei. Wir werden in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) weitergehende Maßnahmen finden“, sagt Dr. Johannes Kandzora.

Der Kinderarzt ist Notdienstbeauftragter und Vorsitzender vom Medizinischen Praxisnetz in Neumünster (MPN). Dem MPN gehören rund 120 Mediziner aus der Stadt an, das sind laut Kandzora etwa 90 Prozent der niedergelassenen Ärzte.

Ihn wurmt, dass trotz mehrerer Aufklärungskampagnen viele Patienten nicht auf die Angebote der Ärzte zurückgreifen. Dazu gehören die Bereitschaftspraxis im FEK (geöffnet: montags, dienstags, donnerstags von 19 bis 21 Uhr, mittwochs und freitags von 16 bis 21 Uhr, sonnabends und sonntags von 9 bis 14 und 16 bis 21 Uhr, Haupteingang FEK und dann 1. Etage ausgeschildert als Anlaufpraxis) und der Fahrdienst, der werktags von 19 bis 8 Uhr und am Wochenende rund um die Uhr unter Tel. 116  117 angefordert werden kann. Kandzora: „Wir erreichen die Patienten nicht. Und im FEK kollabiert die Ambulanz.“ Was genau geplant ist, sagte er nicht. Die Gespräche liefen noch.

Der MPN-Vorsitzende wehrt sich zudem gegen Kritik, die Ärzte würden zu schnell Patienten in die Klinik schicken oder zu wenig Termine haben. Beides stimme nicht. „Wir haben ein gutes Instrumentarium, mit dem wir die meisten Beschwerden behandeln können. Da würden wir ja an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen, wenn wir alle gleich ins FEK schickten.“ Kandzora verwies zudem auf eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) unter 250 Ärzten im Land. Die habe ergeben, dass zehn Prozent der Patienten ihre Termine gar nicht wahrnähmen und auch die recht neue telefonische Terminservice-Stelle bei der KV kaum angenommen werde.

Kandzora: „In Neumünster gibt es anders als auf dem Land eine überdurchschnittlich gute Arztversorgung, die über dem Bedarf liegt. Daher ist es hier in der Stadt auch nicht notwendig, weitere Ärzte zuzulassen. Der laufende Generationenwechsel in den Praxen verläuft bisher ohne Probleme.“

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