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Parküberwachung : Ärger um private Knöllchenschreiber

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Weit über ein Jahr gibt es die Parküberwachung am Bürokomplex Rendsburger Straße 4-8. An dieser Regelung scheiden sich die Geister.

Neumünster | Barthold H. ist sauer – und will den Gewerbekomplex an der Rendsburger Straße 4-8 so schnell nicht wieder zum Einkauf ansteuern. Der Grund: Der Kieler kassierte hier ein „Knöllchen“ einer privaten Parküberwachungsfirma, weil er geparkt hatte, ohne eine Parkscheibe auszulegen. Der Parkplatz wird seit November 2015 privat überwacht, und noch immer ist das heiß umstritten.

Barthold H. nennt die Zahlungsaufforderung über 30 Euro „eine reine Abzocke“. So viel zahle man in ganz Deutschland nicht, außer bei Playfair-Parking. „So heißt der Verein, aber das ist weder fair noch ein Spiel“, so H. Er habe nach nicht einmal zehn Minuten ein Ticket bekommen. Falls er nicht zahle, werde in nötigender Art gedroht. „Ich glaube zum Beispiel nicht, dass eine Halterabfrage erlaubt ist“, sagt Barthold H.

Doch die sei tatsächlich rechtmäßig, sagt Udo Wachholz, der Leiter des Ordnungsamtes. Moritz Dohna ist Geschäftsleiter von Playfair-Parking und begründet die Höhe der Strafen mit einem „enormen Verwaltungsaufwand“ und den nötigen Rücklagen für Halteranfragen und juristische Auseinandersetzungen. Außerdem sei in der Strafe die Mehrwertsteuer enthalten. Dohna: „Einige Parksünder meinen, nicht zahlen zu müssen, sodass ein erheblicher Teil angemahnt oder juristisch verfolgt werden muss.“

Die Mitarbeiter, zumeist Rentner oder Studenten, arbeiteten nicht auf Provisionsbasis, sondern erhielten ein Fixum. Dohna: „Natürlich gibt es je nach Standort Vorgaben, aber es gibt keine Anreizsysteme. Zudem werden die Standorte nicht mehr als zehn bis maximal 24 Stunden pro Woche kontrolliert.“ Abgeschleppt worden sei noch kein Fahrzeug.

Der Unmut bei ertappten Parksündern ist dennoch groß. „Auch die Händler sind sauer, weil ihre Kunden mit den Knöllchen vergrault werden“, sagt Barthold H. Die Mitarbeiter beim angrenzenden Discounter Tedox spüren das tatsächlich. „Wir werden beschimpft, beleidigt, ja bedroht, obwohl wir für die Parkregel gar nicht verantwortlich sind“, sagt Mitarbeiter Christian Stapel. Bei Tedox weisen Schilder und Lautsprecherdurchsagen auf die Benutzung der Parkscheibe hin.

Benedict Bodin von der Berliner Immobilienverwaltung Mensch & Partner, die Playfair-Parking beauftragt hat, widerspricht. „Die Rückmeldungen von unseren Mietern sind sehr gut“, sagt er. Wegen der Bahnhofsnähe habe es früher viele Fremdparker auf den Kundenparkplätzen gegeben.

Das sieht auch Torsten Kehlert so, Inhaber eines Küchenstudios in der früheren Expert-Immobilie. „Die Regelung ist wichtig für uns, sonst ist hier alles von Pendlern zugeparkt“, sagt er. 40 Schilder weisen auf dem Parkplatz auf die Parkscheibenpflicht hin. „Und selbst Kunden, die hier nicht einkaufen, können drei Stunden kostenfrei parken – wo gibt es das noch in der Innenstadt?“, fragt Kehlert.

Das Sanitätshaus OTN hat eine Filiale im Komplex. Auch Inhaber Stefan Fehlandt betont die Notwendigkeit der Parkregel wegen der überhand nehmenden Dauerparker. „Die Überwachung ist sehr motiviert, die machen das sehr professionell“, sagt Fehlandt.

Kommentar: Frei Parken

Wer ärgert sich nicht, wenn er  ein Knöllchen kriegt? Und 30 Euro sind schon happig. Die Hinweise auf die Parkregelung auf dem privaten Grundstück an der Rendsburger Straße sind aber zahlreich und deutlich. Und noch dazu recht großzügig: Wer alles richtig macht, kann bis zu drei Stunden lang kostenlos in der Innenstadt parken.   Er muss nur halt die Parkscheibe zücken. Es ist ein faires Geschäft. (ro)

 

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erstellt am 23.Feb.2017 | 06:00 Uhr

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