Padenstedter Landstraße : Ärger um Knickschutz in Wittorf

Dr. Hermann Warnecke steht an dem nicht mehr erkennbaren Knick hinter seinem Grundstück. Dort wachsen auch Johannisbeeren, Heckenpflanzen und andere Sträucher. Der Biologe warnt davor, das bestehende Ökosystem zu zerstören.
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Dr. Hermann Warnecke steht an dem nicht mehr erkennbaren Knick hinter seinem Grundstück. Dort wachsen auch Johannisbeeren, Heckenpflanzen und andere Sträucher. Der Biologe warnt davor, das bestehende Ökosystem zu zerstören.

Dr. Hermann Warnecke, Anwohner der Padenstedter Landstraße, wehrt sich gegen die Abholzung seiner Hecke.

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10. Juli 2015, 15:00 Uhr

Neumünster | Die Umsetzung des neuen städtischen Knickschutzprogramms sorgt schon in der Modellphase für Irritationen und Widerspruch. Mit einem Brief hat sich Dr. Hermann Warnecke, Anwohner der Padenstedter Landstraße, jetzt über den Stadtteilbeirat an die Verwaltung gewandt. Der Biologe und pensionierte Lehrer fordert auch im Namen mehrerer Nachbarn, auf das Programm zu verzichten.

Konkret in Sorge ist er um die Fläche hinter seinem Grundstück. Dort, auf städtischer Fläche, verlief früher ein Knick. Im Laufe der Zeit aber haben manche Anwohner das Baum- und Strauchwerk entweder ganz entfernt und durch Hecken und Zierpflanzen ersetzt oder die Bäume einfach wachsen lassen. Mit einem Schreiben und bei persönlichen Terminen informierten Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde die Anwohner nun darüber, dass sie diesen „teilweise durch gärtnerische Nutzung stark geschädigten“ Knick im Herbst wiederherstellen wollen. Hintergrund ist die 2013 vom Land verabschiedete neue Biotopverordnung. Sie fordert die Stadt auf, ein Knickschutzprogramm für ihre 350 Kilometer langen innerstädtischen Knicks aufzustellen. Nach den Vorstellungen der Verwaltung soll das neue Konzept unter dem Motto „Den Knick im Blick“ zunächst beispielhaft in Wittorf unter Beteiligung der Bürger umgesetzt werden (der Courier berichtete).

„Mit dem ‚Auf-den-Stock-Setzen’ der Hecken werden intakte Ökosysteme zum Beispiel für Vögel und Insekten, aber auch für Rehe und Hasen zerstört“, kritisiert Warnecke. Es würde Jahre dauern, bis der Knickaufbau soweit fortgeschritten ist, dass entsprechende Brut- und Rückzugsmöglichkeiten wieder vorhanden seien.

Außerdem wirft er der Stadt vor, sie habe in den zurückliegenden Jahren aus Kostengründen nur zweimal im Jahr die Fläche vor dem Knick gemäht und die darunterliegende Abwasserleitung kontrolliert, die Pflege ihrer Wälle aber den Anliegern überlassen. „Da muss man sich dann nicht wundern, dass so etwas wie jetzt entstanden ist.“

„Wir kommen im Herbst nicht mit der Motorsäge und holzen alles ab“, verspricht Sophie Desaga, zuständige Mitarbeiterin der unteren Naturschutzbehörde. Es gehe der Stadt vielmehr um die Aufwertung des Naturraumes. Wo typische Knickpflanzen wie Weißdorn, Buche und Schlehe vorhanden seien, passiere erstmal nichts. „Es gibt aber Grundstücke, auf denen gar kein Baumbestand mehr ist. Hier werden die Zierpflanzen entfernt und neue Bäume gepflanzt“, erklärt Sophie Desaga. Ihr ist wichtig: „Das alles geschieht in enger Abstimmung mit den Betroffenen.“

Wer den neuen Knick dann anschließend pflegt, steht allerdings noch nicht fest. Hier strebt die Stadt eine rechtlich eindeutige, konfliktfreie und kostengünstige Lösung an. „Wir müssen da nachbessern, denn wir wollen eine Lösung für ganze Knicks und nicht nur für einzelne Teilbereiche“, sagt sie.

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