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SWN erneuern Wasserrohre : Ärger um die Elektro-Erdung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit einem Standardbrief fordern die Stadtwerke Hauseigentümer zur Erneuerung ihrer Anlage auf.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Besitzer älterer Häuser, vor deren Grundstück die Stadtwerke (SWN) arbeiten, müssen gegebenenfalls mit unangenehmer Post rechnen. Da die SWN nach und nach beabsichtigen, die Wasserleitungen in der Stadt auf Kunststoffleitungen umzustellen, könnte es für viele Ärger mit der Erdung der elektrischen Hausanlagen geben. So ist es auch der Fall bei Edith Hagen (87) aus Tungendorf.

In ihrer Straße verlegen die Stadtwerke gerade Glasfaserkabel. Vor wenigen Tagen erhielt die betagte Rentnerin Post. Ihr Wasserhausanschluss soll nun ausgetauscht werden. Verunsichert las sie den vierten Absatz des Standardschreibens: „Bei einem Mangel an Ihrem Hauptpotentialausgleich, bitten wir Sie diesen von einem eingetragenen Elektroinstallationsbetrieb Ihrer Wahl zu Ihren Lasten beheben zu lassen.“ Sohn Thomas Hagen ist aufgebracht: „Sie wusste gar nicht, was das soll. Mit den vielen Fachbegriffen konnte sie nichts anfangen und befürchtet nun hohe Kosten“, sagt der 63-Jährige. Ein Anruf bei den Stadtwerken verlief für ihn
wenig aufklärend. „Entweder war niemand erreichbar, oder man konnte mir nicht sagen, was dahinter steckt.“
 Dirk Lohmeyer, Bereichsleiter technischer Service, räumt zwar ein, dass manche Textpassagen nicht eindeutig sind, weist grundsätzliche Kritik an dem Vorgehen aber entschieden zurück: „Früher wurden Gas- und Wasserleitungen zu Erdungszwecken genutzt. Das ist bereits seit 1. Oktober 1990 verboten. Auch die Übergangsfristen sind längst abgelaufen. Hier sind die Hauseigentümer eindeutig in der Pflicht und hätten handeln müssen.“ Wie hoch die Kosten für einen Austausch der Erdung sind, weiß Lohmeyer nicht: „Das hängt vom Umfang und dem beauftragten Elektrobetrieb ab.“

Hintergrund ist eine Änderung der Din- und VDE-Normen (Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik e.V). Sie wurde in Kraft gesetzt, um Monteure, aber auch die Hausbewohner vor möglicherweise tödlich verlaufenden Elektro-Unfällen zu schützen. Denn: Die Erderfunktion ist nur bei vollständig metallischen Leitungen gegeben. Durch den Austausch vieler Teilstücke und der Hauptleitungen auf Kunststoff ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Zudem haben im Erdreich verlegte verzinkte Bandeisen oder sogenannte Staberder durch Verrostung nur eine beschränkte Lebensdauer. „Es ist quasi ein Service von uns, dass wir nun die Hauseigentümer anschreiben. Weil die Straße ohnehin aufgebuddelt wird, sparen sie vielleicht sogar Kosten“, sagt Dirk Lohmeyer. Zudem übernehmen die Stadtwerke die Kosten für eine Überprüfung. Dafür haben die SWN die Elektrofirma Woebs aus Neumünster beauftragt.

Thomas Hagen überzeugt das nicht. „Warum müssen gerade jetzt die Leitungen ausgetauscht werden, obwohl viele noch gut sind?“, fragt er. Zudem wirft er den Stadtwerken mangelnde Kommunikation vor: „Man hat nur das eine Schreiben. Es gibt keine Erklärung, auch auf der Homepage der SWN findet man nichts.“ Nach Auskunft von SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt wurden bisher erst 40 Wasseranschlüsse geprüft. Wie viele davon beanstandet wurden, konnte er nicht sagen.

 

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