Bismarckstraße : Ärger über Gehweg-Fahrer

Szenen wie diese sind in der Bismarckstraße gefürchtet: Zwei Pkw stehen sich gegenüber. Platz zum Ausweichen bleibt nur links auf dem Gehweg, weil rechts Autos dicht an dicht parken. Auf Fußgänger werde keine Rücksicht genommen, beklagen Anwohner.
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Szenen wie diese sind in der Bismarckstraße gefürchtet: Zwei Pkw stehen sich gegenüber. Platz zum Ausweichen bleibt nur links auf dem Gehweg, weil rechts Autos dicht an dicht parken. Auf Fußgänger werde keine Rücksicht genommen, beklagen Anwohner.

Die Anwohner sind genervt: Seit es weniger Halteverbotsschilder gibt, herrsche ein Verkehrschaos . Autos fahren zum Ausweichen auf dem Gehweg.

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01. März 2014, 06:45 Uhr

Ein typisches Bild in der Bismarckstraße: Auf der einen Seite der Straße parken Autos, auf der anderen stehen sie sich Schnauze an Schnauze gegenüber. Keiner kommt mehr weiter. Platz zum Ausweichen bietet meistens nur der Gehweg. Doch bei einer kurzen Flucht dorthin bleibt es oft nicht: „Wenn es sich beispielsweise wegen der Müllabfuhr staut, fahren die Autos oft bis zur Kreuzung Kieler Straße auf dem Bürgersteig“, sagt Harriett Lütt. Die 67-Jährige beobachtet das Geschehen tagtäglich von ihrem Esszimmer-Fenster aus und ist zunehmend genervt.

Die Verkehrssituation in der Bismarckstraße ist aus ihrer Sicht lebensgefährlich. „Ich werde beim Spazierengehen angehupt, weil hinter mir auf dem Gehweg ein Auto fährt und vorbei will“, ärgert sie sich. Ihre Nachbarin Gisela Daberkow (65) pflichtet ihr bei: „Was ist, wenn just in dem Moment jemand aus dem Hauseingang kommt? Da werden die Leute doch überfahren!“ Dazu komme, dass sich kaum jemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern halte. Es muss sich etwas ändern, sind sich die Frauen einig. Die ganze Nachbarschaft sei verärgert.

Seit mehr als 20 Jahren wohnen die beiden Frauen in der Bismarckstraße. Früher habe es keine Verkehrsprobleme gegeben. „Alles begann mit den Bauarbeiten in der Joachimstraße in den 90er-Jahren“, erinnert sich Gisela Daberkow. Bis dahin sei die Bismarckstraße eine verkehrsberuhigte Einbahnstraße gewesen. Nur für den Zeitraum der Bauarbeiten sollte die Straße beidseitig befahrbar sein. Doch dabei blieb es. Verbreitert wurde die Straße deshalb nicht, stattdessen wurden Halteverbotsschilder aufgestellt. Sie sollten dafür sorgen, dass Autos bei Gegenverkehr in freie Buchten ausweichen können.

„Doch vor einem Jahr wurden einige der Schilder entfernt“, berichtet Harriett Lütt. Das sei zwar für Parkplatz-Suchende – angeblich vor allem Bahn-Mitarbeiter – eine Freude gewesen. Doch als Anwohner leide man darunter.

Und es könnte noch schlimmer kommen, befürchten Harriett Lütt und Gisela Daberkow: Sie weisen auf die mögliche Sperrung des Großfleckens hin. Während des Verkehrsversuchs sei der Weg durch die Bismarckstraße für viele Autofahrer eine Alternativroute gewesen. Die Folge: Das Verkehrsaufkommen sei noch größer gewesen. „Ich habe einmal ungelogen zehn Minuten gebraucht, um die Straße zu überqueren“, erinnert sich Harriett Lütt.

Doch die Anwohner konnten noch nichts bewegen. Mehrfach haben sie sich an das Ordnungsamt und die Polizei gewandt. Doch ihre Forderungen, wieder mehr Halteverbotsschilder aufzustellen oder die Einbahnstraßen-Regelung wieder einzuführen, werden vom Ordnungsamt abgelehnt.

Stadtsprecher Stephan Beitz erklärt: „Eine Verkehrsschau in der Bismarckstraße hat ergeben, dass die Zahl der Halteverbotszonen sach- und verkehrsgerecht ist“. Auch die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf: „Die Bismarckstraße gilt nicht als besonders unfallträchtig“, erklärt Polizeisprecher Sönke Hinrichs.

„Noch nicht“, warnen Harriett Lütt und Gisela Daberkow. „Aber muss denn erst etwas passieren, damit sich etwas ändert?“

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