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Jacoby-Bürgergilde : Älter sind nur die Kirchen der Stadt

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Die Geschichte der Jacoby-Bürgergilde zu Neumünster gibt es jetzt zum Nachlesen. 208-Seiten-Werk erscheint im Wachholtz-Verlag.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 08:26 Uhr

Neumünster | Eine Gesamtdarstellung der Geschichte der Jacoby-Bürgergilde fehlte bisher. In langjähriger akribischer Arbeit hat der frühere Gildeschreiber Klaus Selck diese Lücke geschlossen. Gestern stellte er mit Jacoby-Kapitän Fritz Jensen die im Wachholtz-Verlag erschienene Chronik vor.

Sie beschreibt auch ein Stück Stadtgeschichte, denn älter als die Gilden ist in Neumünster nur die Kirche. "Die Gilde gehört zu Neumünster, denn eine Stadt ohne Gilde ist keine Stadt", sagte Jensen. Die Wurzeln und das Alter der Gilde sind nicht ganz klar. Jacoby trägt im Namen den Zusatz "seit 1578". Das ist seit 1878 so, als die Schwestergilde ihren 300. Geburtstag feierte und der damalige Jacoby-Kapitän H. F. Rothenburg das zum Anlass nahm, auch für seine Gilde das Jubiläumsjahr auszurufen.

Doch vermutlich ist sie älter. In einer Abschrift der im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Gilderolle von 1647 wird auf eine 1567 verbrannte ältere Rolle hingewiesen. Die Gilde hieß damals St.-Jacobsgilde. "Ein Indiz, dass die Gilde schon vor der Reformation eine christliche Bruderschaft gewesen sein muss", so Selck. Sie könnte auch eine Zunft der Fuhrleute gewesen sein.

Brand- und Totengilde zur gegenseitigen Hilfe wurde sie erst später. Brannte einem Gildebruder das Haus ab, waren die anderen verpflichtet, eine Mark Lübsch und zwei Tage Arbeit zu leisten. Das reichte, um ein Haus wieder aufzubauen. Versicherungsbetrüger gab es schon damals. So berichtet Selck unter Verweis auf Theodor Dittmanns "Dat Nyge Münster" von einem Gerber Lüthje. Ihm wurde vorgeworfen, sein Haus im Jahr 1747 selbst angezündet zu haben, um das Brandgeld aus der Mitgliedschaft in gleich elf Gilden zu kassieren.

Der ursprüngliche Zweck ist in den Hintergrund getreten, spielt aber immer noch eine Rolle. Die Gilde versucht, wie erst jüngst beim Brand in der Bäckerei Sachau zu helfen. Und auch wenn heute Bestattungsunternehmen und nicht mehr die Gilde selbst ein Begräbnis organisieren, sind das Ehrengeleit und ein ansehnliches Sterbegeld Ehrensache. Heute bewahren die Gilden alte Traditionen wie das Vogelschießen, engagieren sich für soziale Zwecke und pflegen die Geselligkeit.

Klaus Selck: "Die Jacoby-Bürgergilde zu Neumünster. Eine Gilde in Schleswig-Holstein. Von ihren Anfängen bis zur Gegenwart." Wachholtz-Verlag. 208 Seiten, 25 Euro.

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