Achim Amme: Kleinkunst ganz klassisch

Achim Amme
Achim Amme

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23. Oktober 2012, 03:59 Uhr

Boostedt | In Zeiten, in denen Comedy-Stars Stadien füllen, ist Achim Amme so etwas wie ein Kabarett-Fossil. Doch gut 60 Zuhörer wandelten am Sonntagabend im Boostedter Hof Lübbe mit ihm begeistert auf den Spuren so großer Vertreter der Kleinkunst wie Ringelnatz, Brecht, Tucholsky oder Kästner. Mit Gitarre, Stimme und seiner akademisch ausgebildeten Schauspielkunst zeigte Amme auf, dass ein Blick zurück oft mitten in die Gegenwart führt.

Mit der vieldeutigen Frage "Wer ist schon gut zu sich selbst?" hat er das Programm betitelt, mit dem der Wahl-Hamburger (geb. 1949 in Celle) nach Boostedt gekommen war, und hat die Antwort in den zwei Stunden offen gelassen. Überhaupt blieb es keineswegs bei dieser einen Frage. Wer schreibt heute noch Briefe? Was verdient ein Pinguin? Haben Schweine Nummern-Konten? Wer trägt Euros nach Athen statt wie früher Eulen? Das und viel mehr wollte er oberlehrerhaft über die Brille blickend wissen. Dabei hielten sich freier und gelesener Vortrag mit gesungenen Chansons die Waage. Und alles wirkte frisch und zeitgemäß, auch wenn so mancher Text aus seiner Feder schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. In gut 40 Jahren Bühnenpräsenz kommt eben vieles zusammen. Bei Achim Amme schlich sich dabei aber gelangweilte Routine nicht ein. Auch ein "Hänger" unterlief dem sympathischen Profi, der ihn aber nicht aus dem Gleis warf. So konnte er dann mit der allerletzten erklatschten Zugabe mit einem verschmitzten Lächeln feststellen: "Ich bin so positiv gestimmt!"

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